bedeckt München 12°

Konservativen-Treffen in Washington:Wo alles unglaublich einfach ist

US Senator Cruz walks onstage at Values Voter Summit in Washington

US-Senator Ted Cruz betritt die Bühne des "Values Voter Summit 2014" in Washington.

(Foto: Reuters)

Die Steuerbehörde wird abgeschafft, Entwicklungshilfe gekürzt: Sechs Wochen vor der Kongresswahl heizen die Republikaner auf dem "Values Voter Summit" ihrer Basis ein. Etwa mit der Sorge, dass IS-Terroristen heimlich in die USA kommen könnten - über die mexikanische Grenze.

Von Matthias Kolb, Washington

Ted Cruz spricht wie ein Priester. "Ich bin überzeugt, dass Gott Amerika nicht im Stich lässt", ruft der republikanische Senator dem Publikum des Values Voter Summit zu. Wer Abtreibung, Sex vor der Ehe und Homosexualität ablehnt, ist hier richtig. Cruz will 2016 als Präsidentschaftskandidat antreten, aber vorher gilt es, die Kongresswahlen am 4. November zu gewinnen. "In 39 Tagen geht es um alles", ruft er. Wenn die Republikaner bald den Senat kontrollieren, könnten sie die Steuerbehörde IRS abschaffen und Obama zwingen, sich für "echte amerikanische Werte" einzusetzen.

Der 43-jährige Cruz sitzt erst seit 2012 im US-Senat, doch mit seiner kompromisslosen Art (mehr in diesem SZ-Porträt) sorgt er für viel Aufsehen und ist somit der Star beim diesjährigen Values Voter Summit. Wer am lautesten auf die liberalen Medien, die korrupte Elite in Washington und US-Präsident Obama schimpft ("Er weiß alles über Marx und nichts über nationale Sicherheit") und anschließend ein Loblied auf die klassische heterosexuelle Ehe singt, der bekommt hier den größten Applaus. Kein Wunder: Das "Gipfeltreffen der Werte-Wähler" wird von der konservativen Lobbyorganisation Family Research Council organisiert. Offiziell ist der VVS parteipolitisch unabhängig, doch in der Realität tauchen dort keine Demokraten auf.

Doch in diesem Jahr wird auch viel über den Kampf gegen die Dschihadisten des selbsternannten "Islamischen Staats" in Syrien und im Irak gesprochen. Obamas Aussage, er habe "noch keine Strategie", wird gern zitiert. Noch öfter geht es um die Möglichkeit, dass IS-Terroristen über Mexiko in die USA kommen könnten. "Das ist eine riesige Gefahr und Obama tut nichts", dröhnt die Abgeordnete Michele Bachmann, die 2012 Präsidentin werden wollte. Sie habe als Mitglied des Geheimdienstausschusses seit langem gewusst, wie gefährlich der IS sei - Obama sei nur zu dumm, um dies zu erkennen.

Auch Dave Dewhorst, der Vizegouverneur aus Texas wiederholt Argumente, die seit längerem in konservativen Medien und vor allem im Talkradio zu hören sind. Washington müsse noch mehr in die Sicherheit der Grenzen investieren, um alle Amerikaner zu schützen, ruft Dewhorst. Natürlich sei es wichtig, den Schmuggel von Drogen und Menschen zu stoppen, doch niemand dürfe riskieren, dass IS-Terroristen über die Grenze in Texas oder Arizona ins Land kommen könnten. Dass das FBI, das US-Heimatschutzministerium sowie viele Experten dafür keine Anzeichen finden, stört viele im Publikum nicht - schließlich wird es bei Fox News ständig thematisiert.

Gewiss, es ist vor allem der rechte Rand der Republikaner, der sich drei Tage lang in dem riesigen, bunkerähnlichen Omni Shoreham Hotel in Washington versammelt. Im Eingangsbereich verteilen Abtreibungsgegner "I vote pro-life" Sticker, christliche Universitäten werben für ihre Studiengänge und jeder Besucher kann sich über "Instapray" informieren - mit dieser App kann man online nach Leuten suchen, um gemeinsam zu beten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema