Süddeutsche Zeitung

Konservative verlieren:Australien wählt radikalen Wechsel der Klimapolitik

Lesezeit: 2 min

Der künftige Premier Anthony Albanese will das Land zu "einer Supermacht für erneuerbare Energien machen".

Die Australier haben nach Jahren einer klimafeindlichen Politik die konservative Regierung von Premier Scott Morrison abgewählt und die Sozialdemokraten zurück an die Macht geholt. Australische Medien sprachen am Sonntag von einem "Blutbad" für Morrisons Koalition. Wahlsieger und Labor-Chef Anthony Albanese, 59, der bereits an diesem Montag als Premier vereidigt werden sollte, hatte den Kampf gegen den Klimawandel zu einem zentralen Thema seiner Kampagne gemacht.

Offen war zunächst noch, ob Albaneses Partei künftig eine eigene Mehrheit im Unterhaus hat oder auf andere Parteien angewiesen sein wird. Nach der Auszählung von 60 Prozent der Stimmen konnte Labor mit 72 Sitzen rechnen, für die absolute Mehrheit sind 76 nötig. Erstmals erhielten unabhängige Kandidaten - und speziell Kandidatinnen - sowie die Grünen enormen Zulauf, auf sie entfallen demnach elf Sitze. Die konservative Partei kommt nur noch auf 55 Mandate.

Vorgänger Morrison hinterlässt ein großes Haushaltsdefizit

Auf den neuen Premier Albanese warten große innen- und außenpolitische Herausforderungen. Er kündigte an, das Land zu einen und die heftigen Auseinandersetzungen um die Klimapolitik zu beenden. An der Ostküste stehen viele Menschen derzeit vor den Trümmern ihrer Existenz, nachdem es zuletzt in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales zu beispiellosen Überschwemmungen gekommen war. Zudem machen Australien Dürren und Buschbrände zu schaffen; das Naturwunder Great Barrier Reef leidet unter der vierten Korallenbleiche seit 2016.

Dass angesichts dieser desaströsen Lage einige von Morrisons Parteifreunden den Klimawandel weiterhin leugnen, löst bei vielen Australiern wütendes Kopfschütteln aus. Das Land hat derzeit mit die höchsten CO₂-Emissionen pro Kopf und ist einer der größten Kohleexporteure der Welt. In seiner Siegesrede sagte Albanese: "Gemeinsam können wir die Chance nutzen, Australien zu einer Supermacht für erneuerbare Energien zu machen." Allerdings hat Albanese von seinem Vorgänger Morrison nicht nur ein großes Haushaltsdefizit, sondern auch eine hohe Staatsverschuldung geerbt.

Das Land stemmt sich gegen Chinas Machtanspruch

Außenpolitisch bereitet Australien vor allem Chinas Vormachtstreben im indopazifischen Raum große Sorge. Zudem ist das Verhältnis zu Peking angespannt, weil Canberra eine internationale Untersuchung zum Ursprung des Coronavirus gefordert hat. Seither hat China Strafzölle auf australischen Wein und andere Exporte verhängt. Der Ton zwischen Morrison und Staatschef Xi Jinping war zuletzt rau.

Um Chinas Machtstreben entgegenzuwirken, hatte Australien im vergangenen Jahr mit den USA und Großbritannien den Sicherheitspakt Aukus geschlossen. Das Abkommen sieht vor, dass Washington und London beim Bau von Atom-U-Booten helfen sollen. Kurz nach seiner Vereidigung reist Albanese bereits an diesem Dienstag nach Tokio, wo er den US-Präsidenten Joe Biden und die Regierungschefs Japans und Indiens zum sogenannten Quad-Gipfel treffen wird. Eines der zentralen Gesprächsthemen: China.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5589929
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/Reuters/kus/kar
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.