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Kongresswahlen in den USA:Seine Anhänger sind ernüchtert, seine Gegner strafen ihn ab

Manches davon kann Obama nicht beeinflussen. Traditionell nutzen die Amerikaner die Zwischenwahlen, um ihre Regierung abzustrafen. Die Anhänger sind ernüchtert und enthalten sich, während die Gegner an den Urnen erscheinen. Außerdem nutzt sich jeder Präsident im Amt ab, die Leute ermüden.

Beunruhigend ist allerdings - nicht nur für Obama, sondern für das Land insgesamt -, dass sich die Bürger selbst in Zeiten des Wachstums Sorgen über die wirtschaftliche Lage machen. Viele Menschen spüren den Aufschwung nicht, sie arbeiten zwar, verdienen aber schlecht und spüren, dass sie leicht zu ersetzen sind. Obama verlangt deswegen einen Mindestlohn, den die Republikaner aber verhindern, sie werfen ihm vor, dass er die Wirtschaft ruiniere mit hohen Steuern und Vorschriften.

Pannen und der Verlust von Glaubwürdigkeit

Jenseits dessen haben vor allem zwei Entwicklungen Obamas Ruf beschädigt. Erstens: Eine lange Serie von Pannen hat seine Regierung diskreditiert, vom Umgang mit der Ebola-Krise bis zu den Krankenhäusern für Veteranen. Immer wieder haben die Bundesbehörden ihre Inkompetenz bewiesen. Für einen Präsidenten, der den starken Staat verkörpert, ist dies ein echtes Problem: Die Bürger haben das Gefühl, dass sie dem Staat zu viel Geld geben und auch noch miserable Leistungen dafür bekommen.

Zweitens: Obama hat als Außenpolitiker viel Glaubwürdigkeit verloren. Nach der ersten Amtszeit war er noch der Mann, der Osama bin Laden zur Rechenschaft gezogen hatte; heute ist er derjenige, der den "Islamischen Staat" unterschätzte.

Obama paradox: Eigentlich hat er im Nahen Osten genau das getan, wofür ihn die Amerikaner gewählt haben: Er hat neue Kriege gemieden. Aber nun glauben seine Landsleute, dass er den Aufstieg des IS übersehen oder sogar geduldet hat. Inzwischen greifen die USA den IS zwar an, sogar mit vielen Verbündeten. Bis der Feind aber besiegt ist - und das dürfte dauern -, werden die Amerikaner Obama für einen zögerlichen Präsidenten halten.

Es war einmal ...: Obama würden heute die wenigsten Amerikaner als Superman bezeichnen.

(Foto: Gabriel Bouys/AFP)

Hoffnung war früher Obamas wichtigste Botschaft

Obama hat sich oft ohne Not selbst in Schwierigkeiten gebracht. Manchmal redet er zu wenig, befremdet Freund wie Feind mit seiner kühlen, abgehobenen und zuweilen arroganten Art. Manchmal redet er auch einfach zu viel, dann zieht er rote Linien, die er nicht verteidigt, verharmlost den "Islamischen Staat" als "Jugendmannschaft", um ihm dann den Krieg zu erklären.

Im Herbst sagte Obama, er selbst stehe zwar nicht zur Wahl, wohl aber die Bausteine seiner politischen Agenda - "und zwar jeder einzelne". Seine Vertrauten haben dies als Fehler gerügt, und die Republikaner nutzten diese Zitate sofort für ihre Wahlpropaganda. Obama hätte diese Wahl nie zu einem Referendum über sich selbst erklären dürfen.

Am Wochenende in Detroit hat Obama seine Anhänger noch einmal aufgerufen, wählen zu gehen, sich nicht einreden zu lassen, dass es ja eh nichts bringe, dass sich ja eh nichts ändern werde. "Werdet nicht zynisch. Zynismus hat keinen Menschen auf den Mond befördert", sagte der Präsident.

Stattdessen redete er über Hoffnung, was Hoffnung alles erreicht habe und was sie in Amerika noch alles ermöglichen werde. Hoffnung, oder "Hope", war einst, in seinen stürmischen Wahlkämpfen, Obamas Slogan und wichtigste Botschaft. Jetzt, da er den Menschen nur noch wenig Hoffnung schenkt, muss er selbst hoffen - dass die Niederlage am Dienstag nicht so schlimm ausfällt wie vorhergesagt.