Repräsentantenhaus US-Republikaner John Boehner tritt zurück

John Boehner tritt überraschend zurück.

(Foto: AFP)
  • Boehners knapp fünfjährige Amtszeit war von parteiinternen Kämpfen überschattet.
  • Nach einem Besuch des Papstes hatte er erklärt, es gebe für ihn nun nicht mehr zu erreichen.
Von Matthias Kolb

Immer wieder parteiinterne Kämpfe

Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, wird Ende Oktober von seinem Posten zurücktreten. Das kündigte er während einer Sitzung seiner Partei an, die sehr emotional verlaufen sein soll.

Der 65-Jährige wurde 1991 das erste Mal ins Repräsentantenhaus gewählt und vertritt seinen Stimmkreis in Ohio. Boehner wurde 2006 zum mächtigsten Republikaner gewählt. Seit Januar 2011 steht er dem Repräsentantenhaus vor.

Boehners knapp fünfjährige Amtszeit war von parteiinternen Kämpfen überschattet: Die immer größer werdende Gruppe der Tea-Party-Republikaner lehnt jegliche Verhandlungen mit US-Präsident Obama und den Demokraten ab. Der als moderat-pragmatisch geltende Boehner war in ihren Augen viel zu nachsichtig und kompromissbereit. Boehner war es immer seltener gelungen, die Tea-Party-Ideologen zu kontrollieren - so konnte er im Herbst 2013 eine Eskalation im Haushaltsstreit nicht verhindern (Details hier)

Boehner tritt zu einem politisch brisanten Zeitpunkt zurück, da der US-Kongress bis Ende des Monats eine Lösung für den Haushaltsstreit finden muss, um nicht wieder Hunderttausende Beamte in den Zwangsurlaub zu schicken.

Kevin McCarthy als möglicher Nachfolger

In Washington wurde seit Jahren darüber spekuliert, ob der stets braungebrannte, leidenschaftliche Golfspieler Boehner nicht genug von den Grabenkämpfen habe und sein Amt niederlegen würde. Zuletzt galt es als wahrscheinlich, dass der studierte Betriebswirt seinen Führungsposten nach der Kongresswahl im November 2016 niederlegen würde, da mindestens 30 ultrarechte Republikaner angekündigt hatten, ihn keinesfalls wiederwählen zu wollen. Als möglicher Nachfolger gilt Kevin McCarthy aus Kalifornien, die bisherige Nummer Zwei der Republikaner.

Papstbesuch Grund des Rücktritts?

Der gläubige Katholik John Boehner hatte erst am gestrigen Donnerstag für Aufsehen gesorgt, als er beim Besuch von Papst Franziskus im US-Kongress mehrmals in Tränen ausgebrochen war.

Am Abend hatte er einem Reporter des Washingtoner Insider-Magazins Politico gesagt, dass es nach der Rede des Pontifex vor beiden Kammern des US-Parlaments für ihn nun "nichts mehr zu erreichen" gebe. Die genauen Gründe für seinen überraschenden Rückzug wird Boehner in einer Pressekonferenz erläutern.