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Konflikte:Türkei schiebt Salafisten-Familie nach Deutschland ab

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Die Familie war Ende Januar in die Türkei gereist und nach zwei Monaten in der Küstenmetropole Izmir in Abschiebehaft genommen worden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa (Foto: dpa)

Istanbul (dpa) - Die Türkei hat nach eigenen Angaben eine siebenköpfige Familie aus Hildesheim nach Deutschland abgeschoben. Ein Sprecher des türkischen Innenministeriums bestätigte damit am Donnerstag Informationen der Sender RTL und ntv.

Die Familie wurde am späten Nachmittag in Berlin erwartet. Sie wird dem salafistischen Milieu zugerechnet. Zudem sei ein Brite nach London ausgewiesen worden, hieß es. Das Ministerium bezeichnete alle Personen als "ausländische Terroristenkämpfer".

Die Familie B. stammt ursprünglich aus dem Irak. Nach Erkenntnissen deutscher Behörden besitzen alle Familienmitglieder bis auf den Vater die deutsche Staatsbürgerschaft. Haftbefehle wegen islamistischer Umtriebe liegen gegen die Familienmitglieder nicht vor. Allerdings droht dem Vater womöglich wegen anderer krimineller Machenschaften Strafverfolgung.

Die Familie war Ende Januar von Deutschland in die Türkei gereist und nach zwei Monaten in der Stadt Samsun festgenommen worden. In türkischer Abschiebehaft wurde eines der Kinder geboren. Den Grund für die Inhaftierung haben die türkischen Behörden nicht mitgeteilt.

Die Türkei hatte die Abschiebung mehrerer deutscher mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in dieser Woche angekündigt. Über einen möglichen Aufenthalt der Familie B. im ehemals vom IS kontrolliertem Gebiet im Irak oder Syrien ist jedoch nichts bekannt. Am Freitag werden in Deutschland zwei Ehefrauen von IS-Kämpfern erwartet.

Dabei handelt es sich nach dpa-Informationen um eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebegewahrsam. Nach bisheriger Planung soll am Freitag auch eine gebürtige Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt werden, der es nach einer Massenflucht aus dem syrischen Lager Ain Issa gelungen war, sich in Richtung Türkei abzusetzen.

Ankara bereitet zudem die Abschiebung eines amerikanischen mutmaßlichen IS-Anhängers in die USA vor. Eigentlich sollte er auf eigenen Wunsch nach Griechenland als Drittland abgeschoben werden, sei aber dort nicht angenommen worden, teilte das türkische Innenministerium mit. Die USA habe nun zugesichert, Reisepapiere auszustellen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Mittwoch mit US-Präsident Donald Trump in Washington getroffen.

Die Türkei war am 9. Oktober in Nordsyrien einmarschiert und geht dort gegen die Kurdenmiliz YPG vor, die sie als Terrororganisation betrachtet. Dabei wurden nach offiziellen Angaben 287 IS-Anhänger festgenommen, darunter Frauen und Kinder. Nach Angaben Erdogans sitzen mehr als 1000 Anhänger des IS in türkischen Gefängnissen, darunter 737 ausländische Staatsbürger.

Erdogan hatte am Dienstag damit gedroht, vermehrt IS-Anhänger nach Europa abzuschieben.