Konflikt zwischen Israel und Hamas:Tote Zivilisten sind Teil des Kalküls der Hamas

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Israels Regierung könnte also die Mission als erfüllt ansehen, wenn die Tunnel der Hamas zerstört und ihre Raketenarsenale deutlich dezimiert sind. Das ist der Argumentations-Pfad, auf dem die Armee in nicht allzu langer Zeit aus diesem Krieg wieder herauskommen könnte.

Allerdings bleibt die Frage, ob die Hamas sie heraus lässt. Denn deren Anführer haben ihre Ziele hochgesteckt: Keine Waffenruhe ohne ein Ende der Blockade. Das klingt vermessen angesichts der Kräfteverhältnisse. Doch der größte Trumpf der Hamas war nie ihre Stärke, sondern die Opferrolle. Die toten Zivilisten sind Teil ihres zynischen Kalküls; auch ein noch so hoher Blutzoll wird sie nicht einknicken lassen. Die Hamas weiß, dass die Toten nicht auf ihren Schultern lasten, sondern auf den israelischen. Je mehr Tote, desto größer wird der Druck auf die Regierung in Jerusalem.

Hamas hat die Zeit auf ihrer Seite

So hat die Hamas die Zeit auf ihrer Seite - und nebenbei hat sie keine andere Wahl. Denn eine Rückkehr zu den Vorkriegsverhältnissen wäre für sie der Tod auf Raten. Draußen in der weiten Welt gibt es außer von Katar und der Türkei keinerlei Rückhalt mehr. Drinnen in der Enge des Küstenstreifens murren selbst die eigenen Anhänger, weil seit Monaten nicht einmal die Sicherheitskräfte ihren Sold bekommen. Genau deswegen hat sich die Hamas in größter Verzweiflung in diesen Krieg gestürzt. Wer sie wieder herausholen will, muss ihr also mehr bieten.

Reflexhaft richten die Vermittler ihre Kräfte nun darauf, erst einmal die Waffen zum Schweigen zu bringen. Alles Weitere kann dann verhandelt werden. So dachten auch vorige Woche die Ägypter, deren Plan aber sofort scheiterte. Diese Erfahrung zeigt: Für einen Vermittlungserfolg braucht es eine Paketlösung. Darin müssen garantiert sein: Ruhe für Israels Bevölkerung, aber auch eine deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen für die palästinensische Bevölkerung. Der Gazastreifen braucht neue Hoffnung. Dies ist nicht nur der einzige Weg, um diesen Krieg zu beenden. Es ist auch der beste Weg, um den nächsten zu vermeiden.

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