bedeckt München 19°

Konflikt mit Nordkorea:USA sehen keine Kriegsgefahr - und schicken Zerstörer in die Region

Nordkorea will einen Atomreaktor wieder hochfahren und droht dem südlichen Nachbarn. Die USA haben trotz der aggressiven Rhetorik keine Hinweise auf größere Truppenbewegungen - und schicken dennoch ein Kriegsschiff in die Region.

Mit massiven Drohungen gegen Südkorea und die USA scheint Nordkorea den Konflikt mit dem südlichen Nachbarn zu schüren. Doch trotz der aggressiven Rhetorik aus Pjöngjang sieht Washington keine unmittelbare Gefahr eines Angriffs. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Nordkoreas Führung die Truppen mobilisiere oder aufmarschieren lasse, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

Dennoch verstärken die USA ihre militärische Präsenz in der Region. Neben Kampfflugzeugen schickt Washington Medienberichten zufolge auch einen mit Raketen bestückten Zerstörer ins Konfliktgebiet. Zudem solle ein schwimmender Überwachungsradar näher an die nordkoreanische Küste herangebracht werden.

China rief alle Parteien zum Dialog auf. Alle Seiten sollten ruhig bleiben und sich zurückhalten, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei. "Die Situation auf der Halbinsel ist derzeit heikel und schwierig." Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich sehr beunruhigt. "Die Krise ist schon zu weit fortgeschritten. Nukleare Drohungen sind kein Spiel", sagte der Südkoreaner in Andorra.

Nordkorea hatte angekündigt, einen Reaktor in seinem umstrittenen Atomkomplex Yongbyon wieder hochfahren, der einen wichtigen Teil des Atomwaffenprogramms des Landes darstellt. Es würden Maßnahmen für eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors und anderer Einrichtungen getroffen, berichteten die Staatsmedien unter Berufung auf die Generalabteilung für Atomenergie.

Der knapp hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegene Reaktor war im Sommer 2007 nach Verhandlungen der Sechser-Gruppe (Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA) abgeschaltet worden, was die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte. In Yongbyon wurde waffentaugliches Plutonium produziert, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte.

Südkorea hatte den kommunistischen Norden in deutlicher Form vor möglichen Angriffen gewarnt. Präsidentin Park Geun Hye wies die Streitkräfte bereits am Montag an, auf militärische Provokationen des Nachbarlandes "ohne Rücksicht auf jede politische Abwägung" prompt und strikt zu reagieren.

Park berief eine Sitzung mit den für die Sicherheit und Außenpolitik zuständigen Ministern ein, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Präsidialamt in Seoul berichtet. Auch der Geheimdienstchef habe an den Beratungen über "die Lage im In- und Ausland" teilgenommen.

Nordkorea hatte am Samstag den "Kriegszustand" verkündet. Zudem erklärte das Regime, seine Atomwaffen seien nicht verhandelbar. Die USA gehen davon aus, dass das Regime in Pjöngjang beim Bau von Atombomben Fortschritte macht.

Die Oberste Volksversammlung in Pjöngjang - das Parlament in Nordkorea - verabschiedete am Montag auf ihrer Frühjahrssitzung ein Gesetz "zur Festigung der Position des Landes als Atomwaffenstaat zur Selbstverteidigung", wie die Staatsmedien berichteten. Damit reagiere Nordkorea auf die "feindselige Politik der USA".

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/rela/gal

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite