bedeckt München 24°

Konflikt mit Nordkorea:Südkorea nimmt Kim Jong Un ins Visier

Südkoreanische Panzer

Südkorea rüstet auf - auch verbal.

(Foto: AFP)

Das verbale Säbelrasseln wird lauter: Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye droht Nordkorea mit einem massiven militärischen Gegenschlag - auch direkte Angriffe auf Nordkoreas Machthaber schließt Seoul nicht aus. Kim Jong Un baut derweil die Regierung seines Landes um.

Südkorea hat dem Norden im Falle eines Angriffs mit einem massiven und raschen militärischen Gegenschlag gedroht. Wenn es eine Provokation gegen Südkorea gebe, werde darauf entschlossen geantwortet - ohne politische Abwägungen, sagte Präsidentin Park Geun Hye am Montag bei einem Treffen mit dem Verteidigungsminister. Südkorea drohte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auch damit, Kim Jong Un direkt zu treffen und Symbole der Macht der Kim-Dynastie zu zerstören. Dies war im Norden auf besondere Empörung gestoßen.

"Die Existenzberechtigung für das Militär ist es, das Land und das Volk vor Bedrohungen zu schützen", sagte Park der Nachrichtenagentur Yonhap zufolge. "Wenn es zu Provokationen gegen unsere Bevölkerung oder unser Land kommt, sollten wir ohne jede politische Überlegung noch im frühen Stadium stark reagieren." Die Präsidentin reagierte damit auf die sich seit Wochen verschärfende Kriegsrhetorik der Führung in Pjöngjang.

Pak Pong Ju wird neuer Regierungschef in Nordkorea

Inmitten der wachsenden Spannungen wurde in Nordkorea nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA ein neuer Regierungschef ernannt. Wie die Agentur am Montag meldete, legte der Wirtschaftsexperte Pak Pong Ju vor dem Parlament, der Obersten Volksversammlung, den Amtseid ab. Er folgt auf Choe Yong Rim, der seit Juni 2010 Vorsitzender des Ministerrats war.

Dies gilt als klares Anzeichen dafür, dass Kim Jong Un nun verstärkt den Fokus auf wirtschaftliche Belange legt. Der 73-jährige Pak gilt als zentrale Figur der nordkoreanischen Wirtschaftspolitik und als enger Vertrauter des am 17. Dezember 2011 verstorbenen früheren Staatschefs Kim Jong Il, des Vaters des derzeitigen Machthabers Kim Jong Un. Pak war bereits von September 2003 bis April 2007 Regierungschef, musste das Amt aber aus unbekannten Gründen abgeben. Tatsächlich liegt in Nordkorea ohnehin die Macht im Wesentlichen bei Staatschef Kim.

Bereits am Sonntag hatte das Zentralkomitee der kommunistischen Arbeiterpartei unter Führung Kims beschlossen, die marode Wirtschaft anzukurbeln und den Lebensstandard der Bevölkerung zu verbessern. Auch Paks Berufung wurde bei der Sitzung vorbereitet. Das ZK entschied außerdem, das Arsenal an Atomwaffen weiter auszubauen. Deren Besitz soll nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA gesetzlich festgelegt werden. Am Montag kam das nordkoreanische Parlament zu seiner Jahresvollversammlung zusammen.

F-22-Kampfjets

USA schicken F-22-Kampfjets nach Südkorea (Archivfoto).

(Foto: AFP)

USA schicken Kampfjets nach Südkorea

Inmitten der wachsenden Spannungen haben die USA weitere hochmoderne Kampfjets nach Südkorea entsandt. Zwei über Tarnkappeneigenschaften verfügende Jets des Typs F-22 Raptor seien am Sonntag in Südkorea eingetroffen, um an dem gemeinsamen Manöver "Foal Eagle" teilzunehmen, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte am Montag.

Dem Wall Street Journal zufolge sind die USA bemüht, Nordkorea mit einer "Show militärischer Stärke" von Provokationen abzuschrecken. Die F-22 gehören zu den teuersten und modernsten Waffensystem der US-Luftwaffe. Im Zuge des Manövers hatten die USA bereits in der vergangenen Woche zwei Tarnkappenbomber sowie zwei atomwaffenfähige B-52-Bomber nach Südkorea entsandt. Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass die USA bei der jährlichen Militärübung mit Südkorea Raptor-Kampfjets einsetzen, dürften sie in Pjöngjang für weitere Irritationen sorgen.

Die Spannungen in der Region nahmen deutlich zu, seit der UN-Sicherheitsrat als Reaktion auf einen Raketentest im Dezember und einen unterirdischen Atomtest im Februar die Sanktionen gegen Pjöngjang weiter verschärft hat. Daraufhin kündigte Nordkorea vor etwa drei Wochen den Nichtangriffspakt mit dem Süden. Inzwischen vergeht kaum ein Tag ohne weitere Drohungen. Am Samstag verkündete Pjöngjang den Kriegszustand mit seinem Nachbarn. Einen Tag zuvor hatte Machthaber Kim Jong Un Raketen für Angriffe auf US-Ziele in Bereitschaft versetzt. Ihrerseits sagten die USA zu, Südkorea auch bei kleinen Provokationen zur Seite zu stehen. International wächst die Sorge, die Spirale der gegenseitigen Drohungen könnte außer Kontrolle geraten.

© Reuters/AFP/dpa/sebi/mikö

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite