bedeckt München 18°

Konflikt mit Iran:Wer hat die rettende Idee?

Irans Präsident Ahmadinedschad auf Konfrontationskurs: Irgendjemand muss Teheran klarmachen, dass die Einmischung im Irak aufhören muss - oder es wird einen US-Militärschlag geben.

Ein Krieg gegen Iran scheint immer näher zu rücken. Ein einziger Fehltritt Irans könnte einen leichtfertigen Militäreinsatz verursachen, der die amerikanischen Soldaten vor den Folgen iranischer Einmischung im Irak schützen soll. Er würde die Diplomatie im unstabilen Nahen Osten fürs Erste beenden.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad verfolgt das Ziel, die iranische Schiiten-Revolution auf die sunnitisch dominierten arabischen Staaten auszuweiten.

(Foto: Foto: Reuters)

Über viele Jahre hinweg haben vereinte internationale Bemühungen verzögert oder sogar verhindert, dass Iran zu einer Atomwaffe gelangt. Leider hat der gemeinsame Bericht aller 16 US-Geheimdienste, der National Intelligence Estimate, im vergangenen Dezember den Druck auf das Land reduziert - indem er behauptete, Iran werde zumindest in den nächsten Jahren nicht in der Lage sein, die Waffe zu erhalten.

Während sich die ganze Welt auf die Bedrohung durch eine iranische Atomwaffe konzentrierte, braut sich jedoch eine andere amerikanische Konfrontation mit dem Land zusammen.

Iran versteht sich als aufstrebende Führungsmacht der Region. Nachdem der Irak für die USA zum Sumpf geworden ist, verfolgt Präsident Mahmud Ahmadinedschad das Ziel, die iranische Schiiten-Revolution auf die sunnitisch dominierten arabischen Staaten auszuweiten.

Es ist Zeit für vorbeugende Diplomatie, um den Iranern klarzumachen, dass sie mit ihrer Einmischung im Irak sowie ihren Drohungen gegen Israel und die Araber zu weit gegangen sind. Was auch immer über Diplomatie gesagt wird, es bleibt harte Realität, was schon Friedrich der Große sagte: "Diplomatie ohne Waffen ist wie ein Orchester ohne Instrumente." Zugleich aber ist militärische Macht kein Ersatz für Politik. Und bis jetzt haben wir unser Militär zu häufig benutzt, die Diplomatie aber ignoriert.

Irans Strategie, die 150.000 amerikanischen Soldaten im Irak zu bedrängen, kommt einer Geiselnahme gleich. In dem Moment, in dem diese amerikanischen Soldaten-Geiseln für jedermann erkennbar zu Opfern dieser Strategie werden, wird es zum Ruf nach ihrer Verteidigung kommen.

Eine Elite-Einheit soll US-Schiffe im Golf bedrängen

Die iranischen Angriffe auf irakische und amerikanische Truppen dürfen langfristig nicht toleriert werden, und nur eine robuste, energische diplomatische Anstrengung kann den Iranern klarmachen, was für einen Kollisionskurs sie eingeschlagen haben.

Washington hat Beweise für eine iranische Intervention im Irak-Krieg vorgelegt und Teheran bereits für US-Verluste verantwortlich gemacht. Die Beschuldigungen im Einzelnen: Die Iraner sollen Sprengfallen geliefert haben, die gegen amerikanische Soldaten eingesetzt wurden. In Iran hergestellte Raketen sollen in der Grünen Zone in Bagdad eingeschlagen haben. Eine Elite-Einheit der Islamischen Revolutionsgarden, die Al-Quds-Brigade, soll US-Schiffe im Golf bedrängen.

Iran wird auch für die Finanzierung, die Bewaffnung und das Training schiitischer Milizen im Irak verantwortlich gemacht. Die Milizen greifen die US-geführten Truppen sowie irakische Regierungstruppen mit iranischen Waffen an. Diese wurden kürzlich bei einem Einsatz gegen Milizen des schiitischen Predigers Moktada al-Sadr gefunden.

Wenn man weiter berücksichtigt, wie machiavellistisch Iran mit der von Schiiten geführten Regierung des Irak umgeht, so hat man den klaren Beweis für die iranische Einmischung im Irak. Trotz der Glaubwürdigkeitsprobleme der gegenwärtigen US-Regierung - nur wenige Amerikaner ignorieren dies.

Wir brauchen eine Intervention, eine diplomatische Intervention, ob sie nun amerikanisch, europäisch, russisch, israelisch, arabisch, chinesisch oder japanisch ist. Denn das Sammeln von Beweisen zur Rechtfertigung von Militärschlägen sollte mit Diplomatie einhergehen. Wo sind die Staatsmänner, die eine Idee haben, wie man die Soldaten der USA und ihrer Koalition schützen kann, und zwar ohne dass die Vereinigten Staaten auf ihre Streitmacht zurückgreifen?

Im zweiten Teil stellt sich die Frage nach der richtigen Dosis vorbeugender Diplomatie.

Zur SZ-Startseite