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Konflikt in Syrien:Syrische Armee startet Gegenoffensive in Aleppo

Syrische Regierungstruppen haben ihre Offensive gegen die von Rebellen besetzten Teile Aleppos gestartet - und nach Aussagen der Aufständischen herbe Rückschläge einstecken müssen. UN-Generalsekretär Ban forderte von Assad die Zusicherung, dass auf keinen Fall chemische Waffen eingesetzt werden.

Syrische Regierungstruppen haben eine Offensive gegen Teile der nördlichen Handelsmetropole Aleppo gestartet, die von Rebellen beherrscht werden. Die Kämpfe konzentrierten sich auf den südwestlichen Außenbezirk Salaheddin, berichteten Aktivisten.

Helikopter der Regimetruppen beschießen die Stadt. Gefechte wurden auch aus Al-Hamdanija, Sachur und anderen, von der FSA beherrschten Stadtteilen gemeldet. Aus Al-Sukkari flohen die Bewohner, nachdem dort Artilleriegranaten eingeschlagen waren.

Mindestens drei Aufständische wurden getötet, teilten syrische Menschenrechtsbeobachter in London mit. Die Aufständischen schlugen nach eigenen Angaben einen Vorstoß der Regierungstruppen zurück. "Unsere mutigen Rebellen haben mindestens fünf Panzer zerstört, was die angreifenden Streitkräfte zum Rückzug zwang", sagte der Aufständischen-Kommandeur Abu Omar al-HalebiI.

Vorbereitet wurde der Angriff durch schweren Artilleriebeschuss der Regierungstruppen auf Aleppo. Regierungsgegner sagten, mit dem Beschuss solle ihnen der Nachschub abgeschnitten werden.

Der Kampf um das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als möglicher Wendepunkt des seit 16 Monaten andauernden Konflikts. Weder die Truppen von Präsident Baschar al-Assad noch seine Gegner haben militärisch die Oberhand gewinnen können. Die USA befürchten, dass Assads Truppen in der Stadt ein Massaker anrichten könnten. Tausende Menschen sind in die Nachbarländer geflohen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Regierung von Präsident Baschar al-Assad zur Einstellung der Angriffe auf Aleppo aufgerufen. "Ich bin über die zunehmende Gewalt in Aleppo sehr besorgt", sagte Ban nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague in London. Die Regierungstruppen müssten ihre Offensive stoppen. Beide Konfliktparteien müssten die Gewalt beenden. Ban verlangte von der syrischen Regierung erneut die Zusicherung, dass unter keinen Umständen chemische Waffen eingesetzt werden.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte hingegen, es sei unrealistisch, von den syrischen Streitkräften zu erwarten, dass sie tatenlos zusähen, wie die Rebellen wichtige Städte einnehmen.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat eine gemeinsame internationale Anstrengung im Bemühen um ein Ende des Blutvergießens in Syrien gefordert. "Wir haben es hier mit einem Regime zu tun, das sein eigenes Volk tötet und massakriert", sagte Erdogan nach Gesprächen mit seinem britischen Kollegen David Cameron in London.

Der UN-Sicherheitsrat, die Arabische Liga und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit müssten gemeinsam gegen diese "entsetzliche Lage" vorgehen. Angesichts der geplanten Großoffensive der syrischen Armee in Aleppo sowie der jüngsten Äußerungen zu Chemiewaffen "können wir keine Zuschauer oder Beobachter" in Syrien bleiben, sagte Erdogan.

© süddeutsche.de/dpa/reuters/afp/sst/gba
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