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Konflikt in Mali:Frankreich setzt Luftangriffe auf Rebellen fort

Rund um die Uhr Attacken aus der Luft: Bei den Kämpfen in Mali gegen islamistische Rebellen sind bereits mehrere afrikanische Soldaten gestorben. Frankreich will seinen Einsatz fortsetzen. Nach Großbritannien haben laut einem Medienbericht auch die USA ihre Unterstützung zugesagt.

Frankreich hat am Sonntag seine Luftangriffe auf islamistische Rebellen im Norden Malis fortgesetzt. "Luftangriffe gibt es laufend. Es gibt sie jetzt, es gab sie in dieser Nacht, es wird sie morgen geben", sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian am Sonntagmorgen im Fernsehen. Der Vormarsch der Rebellen sei noch nicht gestoppt, warnte er.

Im Kampf gegen die Islamisten erhält Frankreich Unterstützung von weiteren westlichen Staaten. Die Regierung in London kündigte an, Flugzeuge zur Verfügung zu stellen, um Truppen und Ausrüstung nach Mali zu transportieren. Britische Soldaten würden sich jedoch nicht an dem Kampfeinsatz selbst beteiligen, teilte ein Sprecher mit.

Wie die Washington Post berichtete, hat auch die US-Regierung Paris militärische Unterstützung bei dem Einsatz angeboten. So könnten US-Drohnen in Mali zum Einsatz kommen, hieß es unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Regierungsvertreter.

Keine Auswirkungen auf Sicherheitslage in Deutschland

Seit Freitag kämpfen französische Soldaten auf der Seite der malischen Regierungstruppen, um den Vormarsch der Islamisten in dem westafrikanischen Land zu stoppen. Dabei habe man dem Feind bereits "schwere Verluste" zugefügt, sagte Präsident François Hollande. Wegen befürchteter Vergeltungsanschläge wurden in Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Auf die Sicherheitslage in Deutschland habe der Militäreinsatz nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums aber keine Auswirkungen. Das sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa.

Einen deutschen Militäreinsatz hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP) vorerst ausgeschlossen. "Ein Einsatz deutscher Kampftruppen steht nicht zur Debatte", erklärte Westerwelle am Sonntag in Berlin. Deutschland unterstütze die Aufstellung einer afrikanischen Einsatztruppe in Mali. Weitere Zusagen könnten geprüft werden, wenn die "Eckdaten einer afrikanischen Mission stehen und die Einbettung in einen politischen Prozess geklärt ist", sagte der Außenminister. Der Konflikt könne auf Dauer nur politsch gelöst werden.

Westerwelle begrüßte, dass es der Armee in Mali mit Hilfe Frankreichs gelungen sei, den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Zu laufenden Planungen für eine EU-Ausbildungsmission für die malischen Streitkräfte sagte er, ob und wie sich Deutschland daran beteiligt, werde entschieden, wenn die Planungen abgeschlossen seien.

Mehrere Tote bei Kämpfen

Bei den Kämpfen um die Stadt Konna wurden nach offiziellen Angaben ein französischer Hubschrauberpilot und elf malische Soldaten getötet. Aus malischen Sicherheitskreisen verlautete, ein führender Kommandeur der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine sei in Konna getötet worden. Abdel Krim alias Kojak sei ein Stellvertreter des Ansar-Dine-Führers Iyad Ag Ghaly gewesen. Sein Tod sei ein harter Schlag für die Gruppe. Ansar Dine besteht vorwiegend aus Tuareg vom Stamm der Ifoghas. Sie ist eine der drei islamistischen Gruppen, die derzeit den Norden Malis kontrollieren.

Dringlichkeitssitzung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) lädt für Mittwoch in der ivorischen Hauptstadt Abidjan zu einer Dringlichkeitssitzung ein. In den kommenden Tagen sollten auch die Generalstabschefs aus der Region zusammenkommen, sagte ein Ecowas-Sprecher. Die Organisation hatte am Freitag die umgehende Entsendung von Truppen nach Mali beschlossen. Die ersten Einheiten wurden dort für Sonntag erwartet.

Die Islamisten, die seit April vergangenen Jahres weite Teile des Nordens von Mali kontrollierten, hatten vor wenigen Tagen die Stadt Konna eingenommen und waren weiter nach Süden vorgerückt. Die malische Armee startete daraufhin mit französischer Luftunterstützung eine Gegenoffensive, bei der sie nach heftigen Kämpfen Konna zurückeroberte. Die Ecowas erhielt im Dezember vom UN-Sicherheitsrat grünes Licht für die Entsendung von 3300 Soldaten. Mit dem Beginn der Mission wurde aber erst für September gerechnet.

© Süddeutsche.de/afp/dpa/Reuters/mahu/infu
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