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Konflikt im Mittelmeer:Ruhmsucht

Macron versucht, Erdoğan Grenzen zu setzen. Doch mit militärischen Mitteln wird er nicht weit kommen.

Von Moritz Baumstieger

Das Quasi-Protektorat in Nordsyrien, Einsätze von Drohnen und Söldnern in Libyen, Krieg gegen die PKK im Nordirak: Seinem Streben nach Ruhm geht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan längst nicht mehr nur zu Hause nach, sondern durch Interventionen in der gesamten Region. Das tut er auch zu Wasser: Mit einem ebenso entschiedenen wie dreisten Griff nach Rohstoffvorkommen am Boden des östlichen Mittelmeers will er der Türkei neuen Reichtum bescheren.

Eine spektakuläre Reise nach Beirut, ein ebenfalls nicht ganz durchsichtiges Engagement in Libyen und nun die Ankündigung, wegen des Gasstreits im Mittelmeer Kriegsschiffe zu entsenden: Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zieht es derzeit in diese Region, wenn er große Auftritte sucht, die ihm zu Hause eher schwerfallen. In vielen Fällen schlägt er sich dabei auf die Seite von Erdoğans Opponenten. Der ebenfalls recht sendungsbewusste Präsident aus dem Mutterland des Laizismus gefällt sich in der Rolle dessen, der dem Sultan die roten Linien aufzeigt.

Den neo-ottomanischen Anwandlungen des türkischen Präsidenten Grenzen zu setzen, ist richtig. Ein Clash der starken Männer allein wird den verzwickten Konflikt um die Rohstoffe im Mittelmeer jedoch nicht lösen. Dazu braucht es die leisen Mittel der Diplomatie. Nötig sind zähe, kaum spektakuläre Außenwirkung bringende Vermittlungen zwischen Athen und Ankara, zwischen Tripolis, Kairo, Jerusalem und Nikosia.

© SZ vom 14.08.2020
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