bedeckt München 30°

Konflikt auf der koreanischen Halbinsel:Chinas Furcht vor Nordkoreas Kollaps

Global betrachtet So ernst ist die Lage wirklich Video

Videotalk zur Korea-Krise

So ernst ist die Lage wirklich

Die Drohungen aus Nordkorea gegen die USA und den Süden reißen nicht ab. Es ist zu befürchten, dass Diktator Kim Jong die Situation nicht mehr unter Kontrolle hat. Auch China wird sich die Entwicklungen nicht länger anschauen. Eine Einordnung im Video.

Kim Jong Un bändigen können nur die Machthaber in Peking: Nordkoreas Wirtschaft hängt nahezu komplett von China ab. Doch einen Niedergang des Landes will die chinesische Regierung unbedingt vermeiden - nicht nur aus ökonomischen Gründen.

Wie die Zeiten sich doch gleichen: 60 Jahre nach der Gründung der Volksrepublik China hatten die Genossen in Peking und Pjöngjang 2009 zum chinesisch-nordkoreanischen Freundschaftsjahr erklärt. Ende März kam damals eine fast hundertköpfige nordkoreanische Delegation nach Peking, angeführt vom Premierminister, der seinen erkrankten Diktator vertrat. Bankette wurden veranstaltet, Reden gehalten, der Reisschnaps floss. Ein paar Tage später: die Ernüchterung. Am 5. April feuerten die koreanischen Genossen eine Rakete ab. Die Propaganda vermeldete einen Erfolg, die Rakete sei in den Orbit eingetreten und funke nun das "Lied des General Kim Il Sung" zur Erde.

Als Nordkorea gut einen Monat später seine zweite Atombombe testete, war der chinesischen Führung endgültig nicht mehr in Freundschaftsjahr-Laune. Die Lage sei verfahren, wie seit langem nicht mehr, selbst einen Krieg auf der Halbinsel wolle er nicht mehr ausschließen, analysierte damals der einflussreiche Koreaspezialist Zhang Liangui von der Parteihochschule in Peking und löste damit in der Volksrepublik eine Debatte aus, die bis heute anhält. Soll China Nordkorea weiter unterstützen oder Nordkorea endlich stärker unter Druck setzen?

Inzwischen hat sich die Situation sogar noch zugespitzt. Nordkorea hat einen dritten Atomtest absolviert. Der neue Diktator in Pjöngjang hat die Telefondrähte nach Süden kappen lassen und droht unverhohlen mit Krieg. Wird China nun endlich seine Nordkorea-Politik überdenken?

Die Kader in Peking stützen den Rüpel aus Pjöngjang

Fest steht: Egal wie viele Kriegsschiffe die amerikanische Marine auffahren lässt, wie regelmäßig die US-Armee Militärübungen abhält oder welche Resolution der UN-Sicherheitsrat verabschiedet - Kim Jong Un bändigen, das können nur die Machthaber in Peking. Ein Blick auf die ökonomischen Daten verrät, warum: Nordkoreas Wirtschaft hängt nahezu komplett von China ab. 90 Prozent des Öls liefert der Nachbar. 80 Prozent der Konsumgüter und fast 50 Prozent der Nahrungsmittel werden über die Grenze geschafft. Binnen weniger Monate könnte China Nordkorea zum Implodieren bringen. Doch will China das?

Auffällig ist, dass die Kader in Peking kritischer auftreten, als noch vor wenigen Jahren, trotzdem stützen sie den Rüpel aus Pjöngjang noch immer. Denn einen Kollaps Nordkoreas kann sich China derzeit aus ideologischen, sicherstrategischen und ökonomischen Gründen nicht leisten.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite