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Kommunen - Magdeburg:Aufkleber und Kritzeleien auf Schildern kosten viel Geld

Magdeburg (dpa/sa) - Ein Sticker hier, eine wirre Kitzelei dort: In den Städten Sachsen-Anhalts werden immer mehr Schilder und Verkehrszeichen durch Aufkleber und Schmierereien beschädigt. Deren teure Beseitigung ist inzwischen trauriger Alltag, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Oft müssen die Zeichen ausgewechselt werden, weil sich Aufkleber nicht rückstandslos entfernen lassen oder die reflektierende Beschichtung beschädigt sei, hieß es. Einige Städte versuchen, den Vandalen mit folienbeschichteten Schildern beizukommen. Doch auch die sind teuer.

So habe die Stadt Magdeburg nach eigenen Schätzungen im Jahr 2010 noch etwa 100 Verkehrszeichen wegen gravierender Aufkleber- und Graffitibeschädigungen komplett austauschen müssen. Im Vorjahr seien es etwa 150 gewesen. An rund 2000 Zeichen seien derartige Schäden im Jahr 2018 ohne Austausch beseitigt worden. Im Jahr 2010 lag diese Quote noch etwa bei der Hälfte. Die Beseitigung sowie der Austausch hätten Kosten im niedrigen fünfstelligen Bereich verursacht, eine genaue Statistik darüber werde - wie in den anderen Kommunen auch - nicht geführt.

"2017 hat die Stadt die ersten Verkehrszeichen mit spezieller Anti-Sticker-Folie eingesetzt", sagte Magedeburgs Stadt-Sprecherin Kerstin Kinszorra. Diese befänden sich vor allem im Bereich des Fußballstadions und in stark politisch aktiven Stadtteilen. Von 2017 bis heute habe die Landeshauptstadt 764 beschichtete Schilder im Wert von fast 42 000 Euro installiert. "Eine Verringerung der Verunreinigungen durch Aufkleber ist schon erkennbar", sagte Kinszorra. Im gesamten Stadtgebiet gebe es rund 34 000 Verkehrszeichen, Wegweiser und Straßenschilder.

In Halle wiederum erfolge zwar keine detaillierte statistische Erfassung solcher Delikte. Doch auch hier gebe es das Problem, wie der Leiter des Fachbereichs Sicherheit, Tobias Teschner, mitteilte. Ihm zufolge sind der Stadt im Jahr 2018 für die Reinigung und den Ersatz beschädigter Zeichen Kosten in Höhe von rund 89 000 Euro entstanden. Die teuren beschichteten Schilder seien aber für die Saalestadt, in der es etwa 70 000 Schilder gibt, keine Option. Auch sie müssten ja gereinigt werden, hieß es.

Die Stadt Weißenfels im Burgenlandkreis hingegen setzt auf die Schilder mit Schutzfolie. Das soll das Stadtsäckel langfristig schonen, sagte Mike Arning, Leiter der städtischen Straßenverkehrsbehörde. "Zwar kosten die Schilder etwa doppelt so viel wie normale, aber sie lassen sich mit chemischen Reinigungsmitteln leichter säubern." In einem ersten Schritt habe Weißenfels 70 solcher Schilder für 4700 Euro bestellt. Diese würden bis Ende August aufgestellt, vorrangig in Schwerpunktstraßen. 2018 habe die Stadt für Verkehrszeichen rund 20 000 Euro ausgegeben - hauptsächlich seien schwere Sachbeschädigungen der Grund gewesen. Arning hofft, dass das Kleben und Beschmieren nachlässt, wenn alles schnell entfernt werden kann.

Eine Statistik zu derartigen Delikten führt auch die Stadt Merseburg nach eigenen Angaben nicht, doch eine Zunahme gebe es auf jeden Fall. Ein Schwerpunkt dieser wilden Kleberei und Kritzelei sei der Tunnel am Hauptbahnhof nahe der Stadtverwaltung. Bereits dreimal sei er in diesem Jahr schon komplett gereinigt worden, hieß es. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 20 000 Euro in die Beseitigung der Schäden und in neue Zeichen und Schilder investiert worden. Wegen der Haushaltskonsolidierung sei der Kauf folienbeschichteter Schilder aktuell nicht möglich. In Merseburg stehen nach Auskunft von Stadtsprecherin Elke Benne etwa 4000 Schilder in 356 Straßen.

"Wir müssen ständig Aufkleber und Kritzeleien entfernen", erklärte Brigitte Schmidt von der Stadt Quedlinburg. "Genaue Fallzahlen gibt es nicht. Es ist einfach Tagesgeschäft." Die bei Touristen beliebte Unesco-Welterbestadt im Harz habe bisher noch keine Spezialschilder gekauft und habe das auch nicht vor. Der Grund: Die hohen Kosten.