Kommunen - Frankfurt am Main:Start der Winteraktion für obdachlose Menschen in Frankfurt

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Deutschland
Obdachlose Menschen liegen in der B-Ebene der U-Bahnstation Eschenheimer Tor auf dem Steinboden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa (Foto: dpa)

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Frankfurt/Main (dpa) - Kälte, Regen, Bodenfrost: In Hessen wird es allmählich winterlich, was besonders für obdachlose Menschen und solche ohne festen Wohnsitz schwierig ist. Rechtzeitig zur Wintersaison richten die größeren Städte zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten ein. Dabei stehen sie auch in diesem Jahr wieder unter den besonderen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.

In KASSEL leben nach Angaben der Stadt schätzungsweise 100 bis 150 Personen freiwillig auf der Straße. Um sie in den Wintermonaten unterbringen und versorgen zu können, gibt es laut Pressesprecherin Simone Scharnke zusätzlich zu den ganzjährigen Angeboten der Heilsarmee Notschlafplätze. So stellten der Verein Soziale Hilfe sieben, die Drogenhilfe Nordhessen sechs Plätze zur Verfügung. Sollten diese Kapazitäten ausgeschöpft sein, würden die Menschen bei Bedarf in Hotelzimmern untergebracht.

Die Stadt WIESBADEN habe Corona zum Anlass genommen, das Angebot zum Schutz der Menschen zu erweitern, teilte Sozialdezernent Christoph Manjura mit. Dies bedeute zusätzliche Kapazitäten und dauerhafte Übernachtungsmöglichkeiten. "Im Gegensatz zum letzten Winter gibt es zudem mittlerweile die Möglichkeit der Impfung." Neben dem Männerwohnheim der Heilsarmee stehe ein ehemaliges Hotel als Anlaufstelle für Obdachlose bereit. Insgesamt gibt es nach Angaben der Stadt 130 Plätze für Männer, für Frauen stehen eigens Plätze in einer weiteren Unterkunft bereit.

Natürlich laufen auch in Hessens größter Stadt FRANKFURT Aktionen für Obdachlose und wohnungslose Menschen. Ein niedrigschwelliges Angebot ist die Notübernachtung im U-Bahnhof Eschenheimer Tor, wo etwa 150 Schlafplätze, also Isomatten und Decken, sowie ein kleines Frühstück bereitgestellt werden. Es gelten Corona-Regeln wie Abstand halten oder das Tragen einer Maske, sobald die Matte verlassen wird. "Hier kann jeder herkommen und findet unkompliziert seinen Platz", erklärt Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Es sei nicht heimelig, aber warm und sicher. Zudem gebe es Unterkünfte der Stadt in Wohnheimen und Hotels. Und seit Oktober ist außerdem wieder der Kältebus im Stadtgebiet unterwegs, um Menschen zu versorgen.

In HANAU gibt es nach Angaben einer Stadtsprecherin wie in jedem Jahr Notschlafplätze in der kalten Jahreszeit. Der Helferkreis, bestehend aus Landes- und Stadtpolizei, Franziskus-Haus und Obdachlosenhilfe der Stadt Hanau spreche die Kapazitäten und Zugangsmöglichkeiten ab. Ein Bereitschaftsdienst sorge zudem dafür, dass die Versorgung wohnungsloser Menschen mit Schlafplätzen über 24 Stunden sichergestellt sei. Auch Isomatten würden angeboten.

In DARMSTADT stehen für obdach- und wohnungslose Menschen derzeit 200 Plätze in acht Unterkünften zur Verfügung, davon zwei nur für Frauen sowie für Frauen mit Kindern", teilte die Stadt mit. Zudem werde allen Menschen vor Ort eine sozialpädagogische Unterstützung angeboten, um den Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit zu ermöglichen. Das Platzangebot reiche auch in den Wintermonaten aus. Weitere Schlafplätze würden bei Bedarf angemietet, es müsse niemand auf der Straße schlafen. In den Einkünften gelten die allgemeinen Hygieneregeln, weitere coronabedingte Einschränkungen gebe es nicht.

Die Stadt MARBURG betreibt ein Übernachtungsheim mit 14 Plätzen. Diese stehen wohnungs- und obdachlosen Menschen das ganze Jahr über zur Verfügung, wie eine Sprecherin mitteilte. Pandemiebedingt werden derzeit nur maximal die Hälfte der Plätze belegt. Aktuell prüfe die Stadt weitere Möglichkeiten, "wie wir im Hinblick auf die kalte Jahreszeit mehr Kapazitäten bei gleichzeitig größtmöglicher Sorgfalt in Sachen Infektionsschutz ausschöpfen können."

Das Diakonische Werk im benachbarten GIESSEN sorgt sich derweil um seine Anlaufstelle für Betroffene - und fürchtet selbst Wohnungsnot. Denn man habe für die bislang gemieteten Räume der Wohnungslosenhilfe die Kündigung erhalten, erklärte der Leiter des Werkes, Holger Claes. Die ambulante Einrichtung bietet demnach Aufenthaltsmöglichkeiten und Beratung, aber keine Schlafplätze. Man wisse im Moment nicht, "wie wir es schaffen können, bis zum 1. April einen Ersatz hierfür zu finden". Die Suche erweise sich als sehr schwierig. Es wäre "fatal", wenn wegen fehlender Räumlichkeiten die Arbeit eingeschränkt oder gar eingestellt werden müsste. Das Diakonische Werk bittet daher die Bevölkerung um Unterstützung bei der Suche nach einer neuen Bleibe.

© dpa-infocom, dpa:211108-99-913641/3

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