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Kommentar:Scharons Wortbruch

Anstatt dem palästinensischen Ministerpräsidenten Machmud Abbas die Chance zu geben, selbst gegen Terroristen aktiv zu werden, hält Scharon an seiner Überzeugung fest, die Intifada militärisch beenden zu können - obwohl die vergangenen 33 Monate gezeigt haben, dass dies nicht der Fall ist.

Thorsten Schmitz

(SZ vom 23.6.2003) - Erst am Freitag war Außenminister Colin Powell zu einem Blitzbesuch nach Jerusalem geeilt, um den Friedensfahrplan des Nahost-Quartetts zu retten. Regierungschef Ariel Scharon hatte ihm versprochen, Liquidierungen nur noch dann anzuordnen, wenn es sich um "tickende Zeitbomben" handele.

Die Tötung des Hamas-Funktionärs Abdullah Kawasme am Samstag ist nun als Wortbruch zu deuten. Kawasme hat zwar mehr als 40 israelische Menschenleben auf dem Gewissen, aber zum Zeitpunkt seiner Tötung war er nicht mit der Vorbereitung und Ausführung eines Anschlags befasst.

Anstatt dem palästinensischen Ministerpräsidenten Machmud Abbas die Chance zu geben, selbst gegen Terroristen aktiv zu werden, hält Scharon an seiner Überzeugung fest, die Intifada militärisch beenden zu können - obwohl die vergangenen 33 Monate gezeigt haben, dass dies nicht der Fall ist.

Am Sonntag, auf der Kabinettssitzung, hieß Scharon die jüngste Liquidierung gut und sagte, sie trage zur Sicherheit Israels bei. Das entspricht nicht der Wahrheit: Dieser Tötung wird ein weiterer Selbstmordanschlag folgen, wie dem gescheiterten Tötungsversuch auf Hamas-Sprecher Abdel Asis Rantisi das Bus-Attentat in Jerusalem gefolgt war, mit 17 israelischen Toten. Die palästinensischen Terrororganisationen sind wie ein Krebs, der sich zwar partiell entfernen lässt, dem aber um so schneller Metastasen nachwachsen in Gestalt neuer, rachedurstiger Attentäter.

Israel muss der palästinensischen Gesellschaft die Chance geben, sich ihrer Terrorgruppen selbst zu entledigen. Die Liquidierungen schwächen Abbas - und stärken Jassir Arafat, der die Terrorgruppen herangezüchtet hat.

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