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Kommentar:Auschwitz, beiseite gebombt

Canossa sei vorbei, sagen die Neonazis von Dresden. Dummheit kann man nicht verbieten, aber die Demokratie muss sich mit ihr auseinander setzen.

Das neue Zuwanderungsgesetz, das am 1.Januar in Kraft getreten ist, ermöglicht die rasche Ausweisung und Abschiebung von verfassungsfeindlichen Islamisten. Verdacht genügt; rechtskräftige Urteile sind nicht notwendig. Größere Abschiebungsaktionen auf dieser Basis werden soeben von Bund und Ländern vorbereitet.

Leider erlaubt das Gesetz nicht die Abschiebung der verfassungsfeindlichen Neonazis, die im Landtag von Sachsen Klein-Goebbels spielen; man wünscht sie sich auf den Mond. Dort könnten sie dann mit anderen Fanatikern um die Wette schreien - und einem demokratischen Parlament blieben künftig solche Szenen erspart.

Aber vielleicht hat das dummdreiste Auftreten der NPD im Parlament von Sachsen ja auch sein Gutes: Vielleicht öffnet es einem Teil derjenigen Wähler die Augen, die der NPD im vergangenen Jahr zu einem Stimmenanteil von 9,2 Prozent und zu 12 Sitzen im sächsischen Landtag verholfen haben.

Und vielleicht genieren sich jetzt die unbekannten Abgeordneten aus den demokratischen Parteien, die in den vergangenen Monaten bei geheimen Abstimmungen immer wieder mit dieser NPD gestimmt haben.

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Die allgemeine Empörung über das freche Benehmen der Neonazi-Abgeordneten, die sich einer Gedenkminute für Auschwitz und für die Opfer des Holocaust lärmend verweigert haben, lenkt nämlich von der Tatsache ab, dass die Relativierung und Beschönigung der Nazi-Wirklichkeit nicht exklusive Spezialität der Schreier von Dresden ist.

Sprachliche Verformung

Das Wort "Bomben-Holocaust" beispielsweise, das ein NPD-Abgeordneter zur Bezeichnung der Bombardierung von Dresden kreierte, hat seine sprachliche Vorformung: In seinem Bestseller-Buch über den Bomben-Krieg der Alliierten ("Der Brand") benutzt Jörg Friedrich dafür Begriffe, die sofort an das Vernichtungslager in Auschwitz und auf die Mordverbände der Einsatzgruppen denken lassen.