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Kolumne:Optimist Kurz

Der Kanzler sagt, schon der Sommer 2021 werde wohl wieder ein "normaler" werden. Dafür reicht aus heutiger Sicht eine Sache.

Von Elisabeth Gamperl

Dieser Tage wird wohl so mancher Markus Söder recht geben: "Also wer Österreich genießen will, kann das auch in Bayern tun", hat der bayerische Ministerpräsident Ende April gesagt. Bayern sei genauso schön wie Österreich.

Eingefleischte Österreichfans werden zwar die Augen rollen, aber vielleicht ist Bayern doch eine Alternative zu Österreich.

Das zumindest könnten viele Kroatienurlauber denken, die am vergangenen Wochenende das Grenzchaos zwischen Slowenien und Österreich erlebten. Am Karawankentunnel standen sie laut Polizei bis zu zwölf Stunden im Stau, weil die Kärntner Behörden alle Urlauber kontrollierten, die aus- oder einreisen wollten. Felix Haselsteiner hat mit Betroffenen darüber gesprochen, wie sie die Nacht erlebten. Fazit: Manche von ihnen wird Österreich so schnell nicht mehr sehen. "Den Skiurlaub haben wir storniert, da fahren wir definitiv nicht mehr hin", erzählte eine Familie. Lesen Sie mehr dazu hier.

Für das Grenzdrama möchte niemand so recht verantwortlich sein. Grund sei ein Kommunikationsproblem zwischen Bund und Ländern gewesen. Kärnten legte die Verordnung des grünen Gesundheitsministers Rudolf Anschober streng aus, Steiermark oder Tirol sahen diese eher locker. Die Bundesregierung tut sich jedenfalls schwer auf dem Weg zwischen Lockerungen und der Angst vor einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen, wie Leila Al-Serori in ihrer Videoanalyse erläutert.

Sebastian Kurz mimt dieser Tage den Hoffnungsvollen, das machte er an diesem Freitag auch bei seinem Auftritt vor der Presse deutlich. Seine Kernbotschaft war optimistisch und simpel, wie Cathrin Kahlweit hier berichtet. Alles werde gut, am Ende des Tunnels sehe er Licht, die Krise werde kürzer dauern als ursprünglich befürchtet, und schon der Sommer 2021 werde wohl wieder ein "normaler" werden. Das erinnert mich an das Lied "Wieder a Sommer" der steirischen Band STS. In einer Strophe heißt es: "Es kommt wieder a Sommer und der fangt dich dann auf".

Der nächste Sommer muss uns vielleicht gar nicht auffangen, es reicht schon, wenn wir uns nächstes Jahr nichts einfangen können.

Diese Kolumne ist zuerst am 28. August 2020 im Österreich-Newsletter erschienen.

© SZ vom 29.08.2020
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