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68er Bewegung:Eine Tat mit generationsprägender Wucht

Die Ereignisse der ersten Junitage 1967 waren von einer so generationsprägenden Wucht, dass man sich noch heute fragen kann, weshalb in den Jahrzehnten danach nie von den "Siebenundsechzigern" die Rede war. Die Antwort liegt freilich auf der Hand, und sie verweist noch einmal auf die anhaltende Deutungsmacht derer, die seinerzeit auf die Straße gingen: Sie wollten ihren Protest als Teil einer globalen Bewegung sehen, als einen Beitrag im Kampf für eine bessere Welt - gegen den Krieg der Vereinigten Staaten in Vietnam, gegen Kapitalismus, Imperialismus und, soweit sie sich als aufrechte Antiautoritäre begriffen, auch gegen den Parteikommunismus sowjetischen Typs.

Das alles passte, zumal mit Blick auf den Prager Frühling und den Pariser Mai, viel besser unter der Chiffre '68 zusammen als unter dem verhältnismäßig frühen und sehr deutschen Datum 2. Juni 1967.

Gleichwohl gab es - jenseits des Aufschwungs der Neuen Linken überall im Westen und der aus ihrem amerikanischen Exil in die Bundesrepublik zurückkehrenden Kritischen Theorie - spezifisch deutsche Gründe für die Revolte. Sie lagen in dem, was eine schnell wachsende intellektuelle Minderheit seit den späten Fünfzigerjahren mit noch schneller wachsender Ungeduld als "unbewältigte Vergangenheit" anzuprangern pflegte. Den meisten Studenten der Sechzigerjahre war diese Vergangenheit als Anathema vom heimischen Abendbrottisch ihrer Jugendzeit vertraut; an den Universitäten begegneten sie ihnen wieder in Gestalt vieler kompromittierter Professoren.

Schon deshalb gingen den Protestbewegten in dem knappen Jahr zwischen Ohnesorgs Tod und dem Attentat auf Rudi Dutschke am Gründonnerstag 1968 - danach begann man sich bereits wieder zu zerstreuen - die Empörungsgründe nicht aus. Wichtiger als Ringvorlesungen über "braune Universitäten" und Aktionen gegen einen ehemaligen NS-Parteigenossen als Bundeskanzler der Großen Koalition wurde jetzt aber der Protest gegen die von der Regierung Kiesinger-Brandt geplante Notstandsverfassung.

Eine Außerparlamentarische Opposition, die weit über das studentische Milieu hinausgriff, erblickte darin ein neues Ermächtigungsgesetz. Wieder war die Vergangenheit höchst gegenwärtig: "Kein zweites 1933" pinselten die Münchner Kunststudenten Anfang Mai 1968 auf ihr Transparent am Siegestor. Als der Kampf gegen den "Bonner Notstand" mit friedlichen Mitteln verloren war, glaubten Teile der zerfallenden Bewegung zu anderen Formen des "Widerstands" berechtigt zu sein. Damals begann die Geschichte der RAF, wenig später auch die der West-Berliner Terrorgruppe "Bewegung 2. Juni".

Was von den 68ern bleibt
68er Revolte

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© SZ vom 27.05.2017
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