Südamerika:Linkskandidat Petro gewinnt Präsidentschaftswahl in Kolumbien

Lesezeit: 1 min

Südamerika: Warten auf den Wahlsieger: Journalisten vor einem Porträt von Gustavo Petro in Bogotá.

Warten auf den Wahlsieger: Journalisten vor einem Porträt von Gustavo Petro in Bogotá.

(Foto: JUAN BARRETO/AFP)

Die Wahl galt schon im Voraus als Wendepunkt für Kolumbien: Zwei Außenseiter traten in der Stichwahl gegeneinander an. Nun steht das Ergebnis fest: Der nächste Präsident wird ein Ex-Guerillero.

Der Linkskandidat Gustavo Petro gewinnt die Präsidentschaftswahl in Kolumbien. Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmzettel am Sonntag lag Petro mit 50,6 Prozent vor dem Bauunternehmer Rodolfo Hernandez, der auf 47,1 Prozent der Stimmen kam. Das teilten wie die kolumbianischen Wahlbehörden mit. "Heute ist ein Fest für das Volk", schrieb Petro auf Twitter. "Lasst sie den ersten Sieg des Volkes feiern."

Der frühere Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá und derzeitiger Senator kandidierte zum dritten Mal für das Amt und ist der erste linke Präsident Kolumbiens. Petro will in dem Andenland einen wirtschaftlichen und sozialen Wandel einleiten. Er tritt mit dem Versprechen an, die Erschließung neuer Ölvorkommen zu stoppen und die Ungleichheit in dem Andenland mit kostenfreiem Zugang zu Universitäten und einer Rentenreform zu bekämpfen. Petro hatte sich als Jugendlicher der linken Guerillagruppe M-19 angeschlossen, er kam in Haft, ging in den Untergrund, setzte sich dann aber für einen Friedensvertrag ein und ging schließlich in die Politik.

Sein Herausforderer Hernández versprach im Wahlkampf ein hartes Durchgreifen gegen Korruption und Verschwendung. Konservative Politiker hatten sich nach dem ersten Wahlgang demonstrativ hinter Hernández gestellt. Der unterlegene Kandidat räumte am Sonntag seine Niederlage ein. "Die Mehrheit der Bürger, die heute abgestimmt haben, haben den anderen Kandidaten gewählt", sagte Hernández in einer Videobotschaft. "Ich akzeptiere das Ergebnis".

Die Tatsache, dass zwei Anti-Establishment-Kandidaten es trotz guter Wirtschaftsdaten im Land in die Stichwahl geschafft haben, ist ein Zeichen dafür, dass die Kolumbianer eine Abkehr von dem traditionellen Politikerstil der vergangenen Jahrzehnte wollen. Das Ergebnis dürfte auch die engen Beziehungen des Landes zu den USA erschüttern. "Die Dinge werden nicht mehr so sein wie bisher", sagte Mauricio Cárdenas, ein ehemaliger kolumbianischer Finanzminister, der jetzt als Berater für die Goldman Sachs Group tätig ist. "Wir haben hier zwei Außenseiter, Leute, die nicht Teil des Systems sind." Unabhängig vom Gewinner werde diese Wahl "einen Wendepunkt" markieren, fügte er hinzu. Etwa 39 Millionen Kolumbianer waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Landesweit haben offiziellen Angaben zufolge rund 20 Millionen ihre Stimme abgegeben.

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