Ukraine Selenskys gefürchteter Helfer

Igor Kolomoiski

Igor Kolomoisky war einer der wichtigsten Wahlhelfer des neuen ukrainischen Präsidenten Selenksy.

(Foto: dpa)

Der ukrainische Oligarch Ihor Kolomoisky ist bekannt für seine rabiaten Methoden. Im Wahlkampf tat er alles, um seinen Erzfeind Poroschenko stürzen. Davon profitiert der neue Präsident.

Von Florian Hassel, Kiew

Wenn der Oligarch Ihor Kolomoisky, 56, in früheren Jahren einen Gesprächspartner überzeugen wollte, dass mit ihm trotz seines gemütlichen Aussehens mit runden Wangen, weißem Bart und Nickelbrille nicht zu spaßen sei, griff er zur Futterdose. Dann fütterte er einen gut fünf Meter langen Hai, den er in einem riesigen Aquarium in seinem Büro hielt.

Auch als Kolomoisky, jetzt in der Ukraine wichtigster Wahlhelfer des neuen Präsidenten Wolodymyr Selensky, zu Beginn des Krieges gegen Russland Anfang 2014 zum Gouverneur seiner Heimat, der Region Dnipro, ernannt wurde, pflegte er den robusten Stil, der ihn zu einem der gefürchtetsten Geschäftsleute des Landes gemacht hatte. Im Kampf gegen die Russen bezahlte Kolomoisky den Aufbau der Freiwilligenbataillone "Dnipro" und "Asow" und bot seinen Männern 10 000 Dollar für jeden gefangenen Russen. Wladimir Putin schimpfte er einen "schizophrenen Zwerg". Anders als Lugansk oder Donezk blieb Dnipro unter ukrainischer Kontrolle - und Kolomoisky wurde für viele ein Held. Allerdings nicht für lange.

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Kolomoisky legte den Grundstein seines heutigen Imperiums aus Industriefirmen, Banken, Medien und Fluglinien in den Neunzigerjahren, seinen Gegnern zufolge auch mit der gewaltsamen Eroberung von Firmen. 2005 wurde Kolomoisky verdächtigt, einen Mord an einem Anwalt in Auftrag gegeben zu haben. Kolomoisky bestritt alle Vorwürfe, die Generalstaatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Als Anfang 2015 sein Geschäftspartner als Chef einer staatlichen Öltransportfirma abgesetzt wurde, ließ Kolomoisky die Firmenzentrale von seiner Privatmiliz stürmen. Präsident Petro Poroschenko feuerte Kolomoisky als Gouverneur - der Beginn einer Erzfeindschaft.

Ende 2016 wurde Kolomoiskys PrivatBank verstaatlicht, nachdem Kolomoisky und Geschäftspartner die Bank offenbar so ausgeplündert hatten, dass in der Bilanz ein Loch von fünf Milliarden Dollar klaffte. Kolomoisky sagt, er sei Opfer einer politischen Intrige. 2016 wurde einer seiner Geschäftspartner wegen des Verdachts auf Mord und Kidnapping festgenommen. Kolomoisky zog in die Schweiz und im Sommer 2018 weiter nach Israel.

Wie Selensky, so ist auch Kolomoisky jüdischer Abstammung. Neben dem ukrainischen hat er einen israelischen Pass. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist nach ukrainischem Recht strafbar, für Kolomoisky hat sie den Vorteil, dass Israel seine Staatsbürger nicht ausliefert. Gegen Kolomoisky laufen in der Ukraine und in der Schweiz etliche Gerichtsverfahren; auch das FBI soll gegen ihn wegen des Verdachts auf Geldwäsche ermitteln - dessen Anwalt bestreitet jedes Vergehen.

Im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf tat Kolomoisky alles, um seinen Erzfeind Poroschenko zu stürzen. Erst setzte er auf die Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, dann auf Wolodymyr Selensky, der als Schauspieler und Produzent Kolomoiskys Fernsehsender 1+1 seit Jahren verbunden ist. Selensky bestreitet eine Einflussnahme Kolomoiskys. Doch seit 2017 hat er Kolomoisky immerhin 14-mal besucht, in Genf und Israel, im Dezember 2018 sogar für vier Tage. Am Silvestertag durfte Selensky auf 1+1 um Mitternacht anstatt des Präsidenten sprechen und seine Kandidatur erklären.

Kolomoiskys Anwalt Andriy Bohdan spielt auch im Team Selenskys eine Rolle und wurde von diesem bereits zu Geheimtreffen geschickt, zum Beispiel mit dem Chef des in mehreren Fällen gegen Kolomoisky ermittelnden Anti-Korruptions-Büros. Ein Gericht in Kiew erklärte kurz vor dem Wahlsieg Selenskys die Verstaatlichung der PrivatBank für rechtswidrig - Kolomoisky könnten Milliardenentschädigungen winken. Der Parlamentarier Serhij Leschtschenko nannte das Urteil "das direkte Ergebnis von Korruption in den Gerichten". Ein Berater Selenskys sagt, jetzt sei der mögliche weitere Einfluss Kolomoiskys "die größte Gefahr für seine Präsidentschaft".

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