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Kohl-Beisetzung:Arten der Trauer

Altbundeskanzler Helmut Kohl CDU hat am Montag 03 11 14 in Frankfurt am Main sein neues Buch Aus

Maike Kohl-Richter, die Witwe des Altkanzlers.

(Foto: imago)

Der Streit zwischen der Witwe des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter, und seinem Sohn Walter eskaliert. Während die Familie streitet, ist die Feierstunde der EU inzwischen bestens organisiert.

Mitten in den Vorbereitungen zu den Trauerfeierlichkeiten für Helmut Kohl ist der Streit in der Familie des verstorbenen Altkanzlers eskaliert. Begleitet von zwei Enkelkindern versuchte Kohls Sohn Walter am Mittwoch vergeblich, in das Haus seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim zu gelangen. Der Anwalt der Witwe Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Walter Kohl vor, vorherige Kontaktversuche ignoriert zu haben und nun bewusst einen Eklat zu inszenieren. Derweil steht der Ablauf der Trauerzeremonien weitgehend fest. Bei einem europäischen Trauerakt am 1. Juli in Straßburg wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und führende Vertreter Europas die Verdienste Kohls würdigen.

Der frühere Kanzler war am vergangenen Freitag mit 87 Jahren gestorben. Sein Sohn Walter hatte nach eigenen Angaben erst aus dem Radio davon erfahren und war am Freitag an das Totenbett des Vaters gekommen - nach Jahren ohne persönlichen Kontakt. Auch das Verhältnis zwischen Kohls Söhnen und dessen zweiter Ehefrau Maike gilt seit Langem als angespannt. Am Mittwoch kehrte Walter Kohl zu seinem Elternhaus zurück, gemeinsam mit den zwei Enkelkindern des Altkanzlers. Er wurde jedoch nicht eingelassen und sagte, er sei von der Polizei auf ein Hausverbot hingewiesen worden.

Kohl-Richters Anwalt Holthoff-Pförtner, der langjährige Rechtsbeistand und Vertraute Helmut Kohls, sagte, er habe am Dienstag das Gespräch mit dem Kohl-Sohn gesucht, um die Abläufe der Trauerfeierlichkeiten zu bereden. Walter Kohl habe eingewilligt, ein Telefonat zu führen, sei zum verabredeten Zeitpunkt aber nicht erreichbar gewesen. "Er hat sich diesem Gespräch entzogen." Dass Walter Kohl unangemeldet vor dem Haus in Oggersheim um Einlass gebeten habe, sei "die gewollte und bewusste Inszenierung eines Eklats". Walter Kohl erklärte, es sei eine "Lüge", dass er nicht erreichbar gewesen sei. "Mich empört das pietätlose Verhalten von Maike Kohl-Richter", fügte er hinzu.

Holthoff-Pförtner dementierte zudem einen Bericht des Spiegel, wonach Merkel nach Kohl-Richters Willen ursprünglich auf dem Trauerakt nicht habe sprechen sollen. "Es gab zu keinem Zeitpunkt in der Familie Helmut Kohls Bedenken gegen eine Rede der Bundeskanzlerin beim Trauerakt in Straßburg", sagte Holthoff-Pförtner. Der Spiegel schreibt, Kohl-Richter habe die Idee präsentiert, nur ausländische Gäste sollten sprechen, darunter Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán, erbitterter Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik. Der Anwalt wies auch die Darstellung der Bild zurück, die Witwe habe konkrete Vorstellungen für Gästeliste und Ablauf gehabt, die die Organisation eines deutschen Staatsaktes für Kohl schwierig gemacht hätten.

Bei dem europäischen Trauerakt in Straßburg sollen auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker im Europaparlament sprechen, wie das Bundesinnenministerium mitteilte. Außerdem sind Reden des französischen Staatsoberhauptes Emmanuel Macron und des früheren US-Präsidenten Bill Clinton geplant. Nach dem Trauerakt soll Kohls Sarg per Hubschrauber nach Deutschland gebracht werden. Am Abend soll Kohl auf einem Friedhof in Speyer beigesetzt werden und nicht im Familiengrab in Ludwigshafen.

© SZ vom 22.06.2017 / dpa
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