Kardinal Woelki:"An den Pranger gestellt"

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Kardinal Woelki: Kommen nicht zur Ruhe: Kardinal Rainer Maria Woelki und sein Kölner Bistum.

Kommen nicht zur Ruhe: Kardinal Rainer Maria Woelki und sein Kölner Bistum.

(Foto: Oliver Berg/Reuters)

Den Vorwurf einer falschen eidesstattlichen Versicherung weist der Erzbischof von Köln weit von sich. Gegen die involvierte Zeugin kündigt sein Bistum arbeitsrechtliche Schritte an.

Für den Kardinal sind es "uralte Geschichten", die längst geklärt seien. Für die Staatsanwaltschaft sind es neue Geschichten, die geklärt werden müssten. Im Kölner Missbrauchsskandal spielt nun also auch die weltliche Strafverfolgung eine Rolle. Es geht um eidesstattliche Versicherungen zu einem Fall aus dem Jahr 2015 und um ein brisantes Interview. Kardinal Rainer Maria Woelki und sein Bistum kommen also weiterhin nicht zur Ruhe. Und das alles eine Woche vor dem Besuch der deutschen Bischöfe beim Papst in Rom.

Worum geht es? Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch angekündigt, strafrechtliche Ermittlungen gegen Woelki wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung im Zusammenhang mit mutmaßlichen Missbrauchstaten des früheren "Sternsinger"-Präsidenten Winfried Pilz aufgenommen zu haben. Zuvor hatte eine frühere Mitarbeiterin der Personalabteilung des Erzbistums Köln eine Angabe des Kardinals im Fall Pilz infrage gestellt und dem Kölner Stadt-Anzeiger dazu belastende Dokumente vorgelegt.

Die Liste mit 14 Missbrauchstätern will Woelki nicht gesehen haben

Woelki hatte in einer presserechtlichen Auseinandersetzung mit der Bild-Zeitung eidesstattlich versichert, dass er mit dem Fall Pilz erst in der vierten Juniwoche 2022 befasst gewesen war. Die nun an die Öffentlichkeit getretene frühere Assistentin des Personalchefs im Erzbistum, Hildegard Dahm, hatte nach eigenen Angaben Anfang 2015, also etwa ein Vierteljahr nach dem Amtsantritt Woelkis, eine Liste mit den Namen von 14 Missbrauchstätern aus dem Erzbistum Köln erstellt, auf der auch Pilz aufgeführt gewesen sei. Diese Liste sei Woelki vom Personalchef übergeben worden, sagte sie dem Kölner Stadt-Anzeiger. Es könne zwar sein, dass sich Woelki die Liste nicht angeschaut habe, "aber befasst habe ich ihn damit. Ganz eindeutig", sagte Dahm der Zeitung. Die Liste habe ihr damaliger Chef in ein Arbeitsgespräch mit dem Erzbischof mitgenommen und ihr am Anschluss auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Aufstellung den Kardinal nicht interessiert habe.

Am Donnerstagabend meldete sich noch ein weiterer Zeuge, der die Darstellung Dahms unterstützte, der frühere Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt: In der betreffenden Sitzung sei er anwesend gewesen, sagte er dem WDR. Der Personalchef habe die Liste dem Kardinal vorgelegt: "Er hat sie gesehen."

Nach Strafanzeigen wegen des Verdachts auf Falschaussage lehnte die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Woelki Ende Oktober wegen fehlenden Anfangsverdachts zunächst ab. Nach der medialen Berichterstattung zu dem Interview habe man den Sachverhalt erneut geprüft, "mit dem Ergebnis, dass nunmehr ein Ermittlungsverfahren gegen den Kardinal" aufgenommen worden sei, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer.

Der 2019 gestorbene Pfarrer Winfried Pilz war lange Jahre Präsident des katholischen Kindermissionswerks "Die Sternsinger". Bereits in den Siebzigerjahren soll Pilz einen schutzbedürftigen jungen Erwachsenen sexuell missbraucht haben. Im Februar 2014 wurde dem im Ruhestand befindlichen Pilz ein Strafdekret übermittelt, das ihm den Kontakt mit Minderjährigen verbot und ihn zu Zahlungen an den Betroffenen verpflichtete.

Woelki sieht sich "an den Pranger gestellt" und ließ mitteilen, er halte die Vorwürfe für "unbegründet". Dass er die Liste gesehen habe, sei eine Behauptung "ins Blaue" hinein. Das Erzbistum kündigte zudem arbeitsrechtliche Schritte gegen Dahm an.

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