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Köln:Schuss am Rheinufer: Polizei ermittelt gegen CDU-Politiker

Polizei

Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Polizeiwagens.

(Foto: dpa)
  • Ein CDU-Kommunalpolitiker soll am Porzer Rheinufer in Köln auf einen 20-Jährigen geschossen haben.
  • Auf Twitter macht CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak den Namen des Mannes öffentlich, die Staatsanwaltschaft ist aber noch am Anfang ihrer Ermittlungen.
  • In den sozialen Netzwerken wird als Motivation für die Tat Rassismus vermutet.

Elf Tage sind seit dem Polizeieinsatz in Köln-Porz vergangen, mit jedem Tag wurde die Erregung im sozialen Netzwerk Twitter größer. Der Youtuber Rezo favorisierte einen Tweet zu der Causa, Moderator Jan Böhmermann machte per Retweet auf den Fall aufmerksam, zum Schluss veröffentlichte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sogar den Namen des Tatverdächtigen, löschte ihn kurz darauf wieder. Mittlerweile haben von allen Seiten viele Menschen endgültige "Analysen" eines Falls abgegeben, bei dem die Staatsanwaltschaft Köln noch ganz am Anfang steht. Was war passiert?

In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 2019 wird die Kölner Polizei nach Mitternacht zu einem Einsatz in den rechtsrheinischen Stadtteil Porz gerufen, sie nimmt einen 72-jährigen Mann auf dessen Grundstück vorläufig fest; stellt bei einer Hausdurchsuchung mehrere scharfe Waffen sicher. Der deutsche Rentner - ein CDU-Kommunalpolitiker - soll zuvor in seinem Garten mit einer kleinkalibrigen Waffe auf einen 20-Jährigen geschossen haben. Der junge Mann wird wegen einer Schussverletzung im Krankenhaus behandelt. Beide Männer seien alkoholisiert gewesen.

Vor dem Schuss sollen sich der alte und der junge Mann an der Vorgartenmauer und im Garten beleidigt und tätlich angegriffen haben. Ein Generationenkonflikt? Drei weitere junge Männer (21, 22, 23 Jahre alt) begleiteten den 20-Jährigen in der Nacht. Sehr viele Fragen sind in diesem Fall noch offen. In den sozialen Netzwerken haben sich viele aber schon auf den Satz "CDU-Lokalpolitiker schießt auf Migrant" geeinigt, von Rassismus ist die Rede. Medien werden aufgefordert, den Namen des Mannes zu nennen.

Die Behörden geben, wie in diesem Ermittlungsstadium üblich, keine Personalien heraus. "Die Tat hat mit dem Amt des Mannes ja nichts zu tun", sagte ein Polizeisprecher. Der mutmaßliche Täter, gegen den jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird, sitzt für die CDU in der Bezirksvertretung Porz und im Beirat Porz. Auf dem öffentlich einsehbaren Teil seiner Facebook-Pinnwand teilte er Posts der AfD, Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik, Fahndungssaufrufe der Polizei, aber wendete sich auch gegen Tierversuche in der Kosmetikindustrie.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, es werde in alle Richtungen ermittelt; der 72-Jährige habe noch keine Aussage gemacht. Auch der Anwalt des Mannes, der Sprecher der Werte-Union Ralf Höcker, wollte keine Angaben machen: "Wir warten erst die Ermittlungen ab." Der 72-Jährige lässt sein Mandat ruhen. Das mutmaßliche Opfer hat sich indes beim Kölner Stadtanzeiger gemeldet und über Berichte beschwert, in denen er als Mann mit "osteuropäischen Wurzeln" beschrieben wird. Er sei Deutscher, seine Eltern kämen aus Polen.

© SZ vom 10.01.2020/cck
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