Koalitionssuche in Berlin:Kubicki hat Österreich im Blick

So wie Österreich. Das haben FDP und Grüne schon befürchtet, dass die CSU jetzt damit ankommt. Christian Lindner, der Chef der Liberalen, kann mit den 7,5 Prozent für die FDP in Niedersachsen eigentlich gut leben. Das Ergebnis fällt nicht so schlecht aus, dass man bei den Liberalen in Vorwürfe abdriften oder in Zweifel geraten müsste. Mit Blick auf Jamaika im Bund lässt sich daraus vor allem weder grundsätzliche Ablehnung noch Euphorie ableiten. Das passt zu Lindners Strategie. Er will, dass alle glauben, Jamaika sei für die Liberalen kein Muss. Parteivize Wolfgang Kubicki antwortet auf die Frage, was die FDP im Bund aus dem Niedersachsen-Ergebnis lernen könne: "Nichts."

Kubicki hat Österreich im Blick. Er befürchtet vor allem, dass die CSU "die falschen Schlüsse" zieht und alte Gräben mit der CDU in der Flüchtlingspolitik wieder aufbrechen. "Das wird die Gespräche belasten", sagt er. Ähnliche Befürchtungen haben auch die Grünen. Nicht Niedersachsen sei das Problem, sondern Österreich und der Glaube der CSU, dass man nach rechts rücken müsse, um zu gewinnen.

Zur Klimaerwärmung zwischen den potenziellen Koalitionären in Deutschland dürfte aber auch die Wahl im Norden nicht führen. Fünf Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2013 liegen die Grünen, die Koalition mit der SPD ist abgewählt. "Wir haben das sehr bedauert", sagt die Parteivorsitzende Simone Peter am Montag in Berlin, um dann umgehend auf Einbußen anderer zu verweisen. Drei Wochen nach der Bundestagswahl habe die CDU erneut eine Wahl verloren, CSU-Chef Horst Seehofer stehe weiter "unter Druck", sagt Peter. Der Union sei es nicht gelungen, sich zu stabilisieren. "Das macht es für die Koalitionsgespräche nicht einfacher."

Trittin teilt aus gegen CDU und FDP

Der Parteilinke Jürgen Trittin hatte es in der Wahlnacht noch schärfer formuliert. "Es ist immer schwierig, mit geschwächten Partnern zu verhandeln", sagte er im ZDF. "Die CDU in Niedersachsen ist heute ungefähr da, wo sie in den 50er-Jahren mal angefangen hat." Es sei "verantwortungslos", dass die FDP sich einer Ampelkoalition mit SPD und Grünen verweigere, so Trittin. Die Schärfe des Tons hat auch in den eigenen Reihen für Irritation gesorgt.

Immerhin erhält die FDP so die Gelegenheit, sich als souverän, ja abgeklärt zu profilieren. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nennt Trittins Äußerung "Theaterdonner" und eine "Einzeläußerung", die sich vom Rest der Grünen abhebe. Ein liberales Präsidiumsmitglied stichelt, Trittin sei eine "alte Rampensau". Die Bemerkung? Verziehen. "Jeder hat einen Schuss frei." Aber die Woche hat ja gerade erst angefangen.

Am Mittwoch trifft die Union erst die FDP, dann die Grünen. Am Donnerstag reden Grüne und FDP ohne Union miteinander, am Freitag alle zusammen. Die Wähler hätten den Parteien einen Auftrag erteilt, sagt Merkel in ihrer Pressekonferenz. Dem stelle man sich jetzt. Ob sie nach Bundestagswahl und Niedersachsen geschwächt sei, wird die Kanzlerin gefragt. "Also, ich gehe...", sagt Merkel und setzt dann noch einmal neu an: "Wir als CDU und als Union gehen in diese Sondierungen mit dem Selbstverständnis, dass wir die stärkste Kraft unter diesen Sondierern sind." Das Ergebnis von Niedersachsen sehe sie "nicht als Schwächung für diese Aufgabe" an. Außerdem wolle die CDU jetzt mal das Positive hervorheben und fragen: Was braucht Deutschland? "Konflikte", das weiß die Verhandlerin Merkel, "gibt es dann noch genug."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema