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Kliniken:"Was ist mit den Alten?"

Die Bundesäztekammer rügt den SPD-Vorstoß für bessere Kindermedizin - er vergesse die hilfsbefürftigen Senioren.

Von Mike Szymanski, Berlin

Der Vorstoß der SPD, die medizinische Versorgung speziell von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu verbessern und dazu auch das System der Fallpauschalen in der Kinder- und Jugendmedizin sowie der Geburtshilfe zu kippen, stößt bei Ärzten auf ein geteiltes Echo. Während sich zu Gesellschaften und Verbänden zusammengeschlossene Kinder- und Jugendärzte im ambulanten wie stationären Bereich das Konzept ausdrücklich lobten, kommt harsche Kritik von der Bundesärztekammer. Deren Vizepräsidentin, die Kinderchirurgin Heidrun Gitter, sagte der Süddeutschen Zeitung : "Wir sind vom Vorstoß der SPD enttäuscht." Das Papier bleibe in weiten Teilen hinter den Erwartungen zurück. Es lege den Fokus "allein auf die besonders hilfsbedürftige Gruppe der Kinder und Jugendlichen". Das genüge nicht: "Was ist mit den Alten, mit den Demenzkranken? Auch sie bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die nötig wäre und sind auf sich allein gestellt." Das System der Fallpauschalen müsse grundsätzlich überarbeitet werden, aber die SPD hebe "plakativ" nur die Kinder und Jugendlichen hervor.

Auf diese Patientengruppe spezialisierte Mediziner hingegen erklären in einer gemeinsamen Stellungnahme: "Das vorgelegte Konzept zeigt, dass die besonderen Herausforderungen der Kinder- und Jugendmedizin verstanden wurden - nun kommt es auf den Sachverstand der Gesundheitspolitik an, um auch Kindern und Jugendlichen eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zu sichern."

Die Initiative in der SPD geht zurück auf Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig. Per Bundesratsinitiative will sie erreichen, dass mehr Geld für die Finanzierung bereitgestellt wird. Die Bundespartei flankiert das Anliegen mit einem Präsidiumsbeschluss. Hintergrund sind Schließungen von Kinderstationen in Krankenhäusern besonders in ländlichen Regionen. Betreiber argumentieren, diese seien kaum wirtschaftlich zu führen, wenn nach dem System der Fallpauschalen abgerechnet werde. Kinder brauchen, anders als Erwachsene, mehr Aufmerksamkeit, wenn sie im Krankenhaus liegen, und damit viel Personal. Die Sozialdemokraten wollen zudem 390 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket zur Bewältigung der Corona-Krise in die Kinder- und Jugendmedizin investieren. Es geht um Geld, das speziell für Krankenhäuser vorgesehen ist.

© SZ vom 05.08.2020

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