Klinikatlas:Lauterbach verspricht Verbesserungen

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Er kündigte „ein umfassendes Update“ an: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. (Foto: Soeren Stache/dpa)

Sein Klinikatlas sei für Laien zu umständlich, räumt der Gesundheitsminister ein – und will das schnell ändern. Doch in einem anderen Punkt bleibt er hart.

Von Rainer Stadler

Die heftige Kritik von Ärzten, Krankenhäusern und Fachgesellschaften am Klinikatlas zeigt Wirkung: In der Rheinischen Post kündigte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) jetzt „ein umfassendes Update“ an. Das Online-Verzeichnis, das helfen soll, für jeden Eingriff das am besten geeignete Krankenhaus zu finden, solle „für Patientinnen und Patienten sehr viel leichter verständlich“ gestaltet werden. Lauterbach räumte ein, dass der Atlas bisher „zu komplex für Laien“ sei.

Wer derzeit in dem Portal sucht, das seit gut vier Wochen freigeschaltet ist, wird mit medizinischen Fachbegriffen und unverständlichen Codes konfrontiert. Künftig sollen Patienten auf der Website über „größere Kacheln mit allgemeinen Begriffen“ wie Krebs, Herz oder Knochen und Gelenke geführt werden. Hinter den Kacheln sollen einzelne Erkrankungen und Operationen aufgefächert werden. Lauterbach kündigte an, das System binnen weniger Tage auf einen neuen Stand zu bringen, um „zunächst für die 20 wichtigsten Eingriffe“ zu zeigen, „wie gut welches Haus hier ist“. Welche Eingriffe das sind, war aus seinem Ministerium am Mittwoch nicht zu erfahren.

Die Krankenhäuser monieren „fehlerhafte Informationen“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht in dem Eingeständnis eine „Bankrotterklärung“. Die DKG hatte Lauterbachs Vorhaben von Anfang an kritisiert. Die Aussage aus seinem Ministerium, wonach es sich beim Klinikatlas um ein lernendes System handle, verkenne völlig, dass die Suchmaschine „im Zweifel über die Gesundheit der Patientinnen und Patienten und über die wirtschaftliche Existenz von Krankenhäusern entscheidet“. In einer Umfrage des DKG hatten fast 80 Prozent der teilnehmenden Kliniken angegeben, „fehlerhafte Informationen“ im Klinikatlas zu ihrem eigenen Haus identifiziert zu haben.

Das wiederum bestreitet Lauterbach. „Die verwendeten Behandlungsdaten, hinter denen 16 Millionen Versicherte stehen, stimmen“, erklärt der Minister. „Wären Daten falsch gewesen, hätte ich den Atlas vom Netz genommen.“ Sein Ministerium lässt alle Angaben für das Verzeichnis von einem unabhängigen Institut erheben. Begründung: Die Daten, die Krankenhäuser über sich selbst verbreiten, etwa zur Bettenzahl, seien oft falsch oder veraltet. Den Widerstand gegen den Atlas führt das Ministerium vor allem darauf zurück, dass die Kliniken die neue Transparenz und den Wettbewerb mit anderen Häusern fürchten.

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