Inflation:Klingbeil kritisiert Vonovia wegen möglicher Mieterhöhungen

Lesezeit: 1 min

Inflation: In einer Krisensituation über Profitsteigerungen zu sinnieren, hält SPD-Chef Lars Klingbeil für unangemessen.

In einer Krisensituation über Profitsteigerungen zu sinnieren, hält SPD-Chef Lars Klingbeil für unangemessen.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)

Neben dem SPD-Chef zeigen sich auch Gewerkschaften und Sozialverbände über mögliche Pläne von Deutschlands größtem Wohnkonzern entrüstet. Dessen Chef fühlt sich falsch verstanden.

Von Johannes Bauer

Nach einem Handelsblatt-Interview von Vonovia-Chef Rolf Buch, in dem dieser mögliche Mieterhöhungen in Aussicht gestellt hat, reißt die Kritik an dem Bochumer Wohnkonzern nicht ab. Eine Anhebung der Mieten sei derzeit "absolut unverantwortlich", sagte SPD-Chef Lars Klingbeil den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) sprach von einer "inflationären Unverschämtheit" von Deutschlands größtem Vermieter. In der vergangenen Woche hatte Vonovia-Chef Rolf Buch gesagt, dass die Mieten ansteigen müssten, wenn die Inflation dauerhaft bei vier Prozent liegen würde. Im Anschluss versuchte Buch die Äußerung noch einzufangen, schrieb auf Twitter, er habe damit keine Mieterhöhung angekündigt. Eine Sprecherin ergänzte, dem Vonovia-Chef sei es allein um die wirtschaftliche Entwicklung gegangen, doch die Bevölkerung, sowie Politiker und Gewerkschafter hatten Buchs Äußerungen sehr wohl als Ankündigung von Mieterhöhungen verstanden.

SPD-Chef Klingbeil sagte, man sei gerade gefordert, als Land in dieser schwierigen Situation zusammenzustehen. Die wirtschaftliche Krise bedeute eine nationale Anstrengung. "Wenn Vonovia aber in dieser Lage darüber nachdenkt, wie es seinen Profit noch weiter steigern kann, stellt sich das Unternehmen ins Abseits", so Klingbeil.

IG-Bau-Chef Robert Feiger sagte den Funke-Zeitungen: "Vonovia macht die Mieter zu Sonderopfern der Inflation." Die Ankündigung ziele auf eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Mieter. Gerade Vermieter müssten dazu beitragen, den sozialen Frieden zu wahren. "Einen Fehler muss Deutschland jetzt vermeiden: Großvermieter dürfen die Inflation nicht weiter anheizen", so Feiger. "Sie dürfen nicht über die Mietschraube weiter an der Inflationsspirale drehen."

In den vergangenen Tagen hatten bereits Sozialverbände und der Deutsche Mieterbund Kritik an Vonovia geübt. "Dass Mieterinnen und Mieter für den eingebrochenen Aktienkurs von Vonovia und höhere Zinsen am Kapitalmarkt herhalten müssen, zeigt, dass die Geschäftsmodelle börsennotierter Wohnungskonzerne unsozial und spekulativ sind", hatte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten erklärt.

Vonovia besitzt rund 565 000 Wohnungen und gilt damit als größter Vermieter des Landes, weshalb Experten der Konzernstrategie auch eine gewisse Richtlinienkompetenz für den gesamten Wohnungsmarkt zuschreiben.

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