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Anpassung an den Klimawandel:Wasser aus der Ferne

Die Riveristalsperre versorgt seit 1958 Trier und Umgebung mit Trinkwasser. Nun wird sie mit der Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen verbunden.

(Foto: Imago)

Wasserversorger und Verbände fordern schnelles und entschlossenes Handeln, um Deutschland gegen Dürren und Starkregen zu wappnen. In Trier und der Westeifel ist das Problem schon fast gelöst.

Von Thomas Hummel

Es wird gebuddelt westlich von Bitburg. Die Kreisstadt in Rheinland-Pfalz ist gerade Zeuge eines Projekts, das auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten soll. Acht Wasserversorger verlegen in der Westeifel gemeinsam eine 83 Kilometer lange Leitung. Sie wird die Riveristalsperre bei Trier im Süden mit der Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen im Norden verbinden. Auf dem Weg werden einige Grundwasserbrunnen angeschlossen. "Damit stellen wir die Trinkwasserversorgung unserer Bevölkerung für die kommenden Jahrzehnte sicher", sagt Arndt Müller, Vorstand der Stadtwerke Trier.

Grund für das Projekt: Auch über den Hügeln der Eifel fällt seit vielen Jahren regelmäßig zu wenig Regen. "In der Riveristalsperre ging der Wasserstand zeitweise erheblich zurück, wir mussten im Sommer vermehrt Tiefenbrunnen zuschalten", berichtet Müller. Dabei sei das aktuell heiße und trockene Wetter noch kein Problem, weil es zuvor im Jahr ausreichend geregnet habe, die Talsperren voll waren. Doch der langfristige Trend zeige in eine eindeutige Richtung: Wassermangel. So bauen die kommunalen Wasserunternehmen noch einen zweiten Kanal in Ost-West-Richtung, um die 245 000 Bewohner der Westeifel, die Natur und die Wirtschaft zu versorgen. Und damit sie künftig flexibel auf Notlagen reagieren können.

Sich an die neuen Bedingungen durch die Erderwärmung anpassen: Was in der Westeifel gelingt, haben viele Regionen in Deutschland noch vor sich. Nach einer Umfrage des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) unter bundesweit 180 Wasserversorgern sank bei mehr als der Hälfte der Grundwasserpegel über die vergangenen Jahre deutlich ab.

Demnach bereitet sich die Mehrzahl der Unternehmen bereits auf künftige Trockenperioden vor, die meisten davon halten aber weitere Maßnahmen und Analysen für notwendig. Einige geben indes zu, dass bei ihnen Einschränkungen in der Wasserversorgung absehbar seien, sie aber noch keine Vorkehrungen getroffen haben. "Auch wenn aktuell kein Wassernotstand zu befürchten ist, so lässt sich die zunehmend angespannte Situation klar und deutlich ablesen", urteilt Wolf Merkel, DVGW-Vorstand für den Bereich Wasser.

Vorrang für die öffentliche Trinkwasserversorgung

An diesem Montag legte der Verein zusammen mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ein Maßnahmenpaket vor, denn "der Klimawandel ist eine enorme Herausforderung für die Wasserwirtschaft". Die Folgen der Erderwärmung seien in einigen Regionen bereits heute spürbar, heißt es in dem Papier. "Um den Herausforderungen zu begegnen und für zukünftige Extremereignisse besser gewappnet zu sein, ist unmittelbares und entschlossenes Handeln unumgänglich."

Besonders dringlich sei demnach, dass die Bundesregierung der öffentlichen Versorgung von Privathaushalten, Schulen oder Krankenhäusern gesetzlich Vorrang einräume. Gerade in längeren Trockenphasen kamen manche Wasserversorger in den vergangenen Jahren an ihre Grenzen. Hausbesitzer lassen Pools volllaufen, Sportvereine bewässern Spielfelder, Gärtner und Hausmeister werfen die Sprenger an.

Wenn zudem die Landwirtschaft künftig größeren Bedarf anmeldet, befürchten die Verbände einen Kampf ums Wasser. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) unterstützte zuletzt den Vorschlag, öffentliche Haushalte zu priorisieren, verwies aber auf Gemeinden, Städte und Landkreise, die das je nach Lage entscheiden sollen. Kommunalpolitikern drohen damit erhebliche Konflikte, sollte das Wasser bei ihnen tatsächlich einmal knapp werden.

Zusätzlich fordern die Wasserversorger, an besonders heißen und trockenen Tagen zehn bis 20 Prozent mehr Wasser aus Talsperren oder Brunnen entnehmen zu dürfen als bisher. Sie nennen es "Klimawandelzuschlag". Die derzeitige Rechtslage sieht vor, nicht mehr Wasser zu nutzen, als sich anschließend wieder neu bilden kann.

Sorge bereitet den Verbänden die Verunreinigung. Auch hier steht vor allem die Landwirtschaft in der Kritik, hohe Nitratwerte durch Gülleeinträge und Rückstände von Pflanzenschutzmittel fallen laut Wasserversorgern desto stärker ins Gewicht, je niedriger die Pegelstände sind. Aber auch Arzneimittel oder Mikroplastik verursachen Probleme. Die Wasserverbände drängen deshalb auf ein Verursacherprinzip. Wer für die Schadstoffe verantwortlich ist, soll hinterher auch für die Reinigung des Trinkwassers bezahlen. Damit sollen finanzielle Anreize für mehr Gewässerschutz gesetzt werden.

Die Umweltministerin veranschlagt Mehrkosten von drei Milliarden Euro - pro Jahr

Einig ist sich die Wasserindustrie darin, dass sie künftig wesentlich mehr Geld braucht. In der Umfrage des DVGW erwarten die Unternehmen in den kommenden zehn Jahren einen drei Mal höheren Finanzbedarf als bislang, um ihre Infrastruktur umzubauen. Das Projekt in der Eifel etwa kostet 120 Millionen Euro, ein Viertel davon übernimmt das Land Rheinland-Pfalz, der Rest kommt über die Gebührenzahler herein. Umweltministerin Schulze veranschlagt den bundesweiten Zusatz-Bedarf auf drei Milliarden Euro. Pro Jahr.

Eine nationale Wasserstrategie soll helfen, das Land auf mehr Hitze und Trockenheit, aber auch auf Starkregen und Hochwasser vorzubereiten. So führen auch die aktuellen Gewitter-Tage lokal zu heftigen Niederschlägen und Überschwemmungen, während ein paar Kilometer weiter der Boden staubtrocken bleibt. Deshalb dürften Fernleitungen wie nördlich von Trier künftig eine weitaus größere Rolle in der Wasserversorgung spielen. Selbst neue Talsperren wollte das Bundesumweltministerium zuletzt nicht ausschließen.

In der Westeifel lösen sie mit ihren neuen Leitungen gleich mehrere Probleme. Musste bislang das Wasser von Trier aus in die umliegenden Regionen nach oben gepumpt werden, kann es nun von Norden aus Nordrhein-Westfalen nach unten fließen, wodurch künftig erheblich weniger Kosten für Energie anfallen. So sollen auch die Gebühren für das Trinkwasser dauerhaft stabil bleiben. Zudem werden neben der Wasserleitung Kanäle für Biogas, Erdgas und Glasfaserkabel gleich mitverlegt. Triers Stadtwerke-Vorstand Müller sagt: "Wir sind schon auf Zukunft eingestellt."

© SZ/mhei
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