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Bedrohung der internationalen Sicherheit:In Regionen, die am stärksten leiden und am wenigsten gewappnet sind, wächst die Bevölkerung am schnellsten

Diese toxische Mischung trifft am stärksten die Staaten Afrikas südlich der Sahara, gefolgt vom Nahen Osten und Nordafrika, Südasien und Südostasien - und nirgendwo wird dieser Zusammenhang so deutlich wie in der Sahelzone. Am Tschadsee zeigt sich gerade, wie die Lebensader einer ganzen Region versiegt und dabei Arbeitslosigkeit, Terrorismus und Armut sich verschärfen.

Einige Studien weisen zudem auf einen Zusammenhang zwischen Korruption und den Auswirkungen des Klimawandels hin: Umweltbelastungen tragen besonders dann zur Instabilität eines Staates bei, wenn sie auf das Missmanagement der Regierung treffen. Das britische Overseas Development Institute fand einen Zusammenhang zwischen der Instabilität eines Staates und der Zahl der Menschen, die bei Naturkatastrophen verletzt und getötet wurden.

Fast zwei Drittel der Todesopfer stammten demnach aus besonders schwachen Staaten, etwa Afghanistan, Somalia, den Sahelstaaten, Jemen oder Haiti. Allerdings erhalten fragile Staaten nur zwölf Prozent der internationalen Finanzhilfe, die für die Anpassung und Vorbereitung auf den Klimawandel vorgesehen sind. Regierung und Zivilgesellschaft haben also kaum eine Chance, sich wirklich auf die drohenden Katastrophen vorzubereiten.

Verteilungskämpfe führen zu Vertreibungen

In den Regionen, die sowohl erheblich vom Klimawandel bedroht als auch am wenigsten dafür gewappnet sind, wächst auch die Bevölkerung am schnellsten. Bis zum Jahr 2100 werden auf der Welt mehr als zehn Milliarden Menschen leben, schätzen die UN. In der Sahelzone sind heute bereits zwei Drittel der Menschen jünger als 25 Jahre. Dort, wo die Konkurrenz um Wasser und Land schon jetzt groß ist, wächst die Bevölkerung rapide.

Gerade in Asien und Afrika vertreiben Verteilungskämpfe um immer knappere Ressourcen die Menschen aus ihrer Heimat. In der Hoffnung auf bessere Chancen entscheiden sich viele für ein Leben in den Städten. In 30 Jahren werden Berechnungen zufolge 68 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten leben. Diese Prognose erregt Besorgnis, weil die schnelle Verstädterung in der Regel nicht systematisch abläuft, sondern unkontrolliert. Auch hier spielen schwache staatliche Institutionen eine entscheidende Rolle, weil sie nicht über die nötigen Kapazitäten verfügen, um diesen Prozess zu gestalten. Stattdessen können die Behörden den Zustrom in die Groß- und Hauptstädte kaum bewältigen. Es entstehen informelle Siedlungen und Slums ohne Infrastruktur.

Klimaflüchtlinge könnten nach Ansicht der UN Anspruch auf Asyl haben, wenn ihr Leben in Gefahr ist

Vor allem die Industriestaaten tragen mit ihrem CO₂-Ausstoß zum Klimawandel bei, doch die Konsequenzen tragen andere. Experten gehen davon aus, dass die klimabedingte Migration in den nächsten Jahren zunehmen wird. Erst vor wenigen Wochen traf der UN-Menschenrechtsausschuss eine historische Entscheidung: Klimaflüchtlinge können einen Anspruch auf Asyl haben, wenn ihr Leben in Gefahr ist.

Im Pentagon wird der Klimawandel nicht nur als Bedrohungsmultiplikator in besonders instabilen Weltregionen wahrgenommen, sondern auch als Gefahr für die nationale Sicherheit der USA selbst, wie der US-Politikwissenschaftler Michael T. Klare in seinem neuesten Buch "All Hell Breaking Loose" beschreibt. Er argumentiert, je schwächer ein Staat ist, desto anfälliger ist er gegenüber den Folgen des Klimawandels.

In instabilen Regionen habe der Klimawandel das Potenzial, bestehende Konflikte zu verstärken. Diese erschweren es Regierungen, humanitäre Katastrophen abzuwenden, und erleichtern es Terroristen, erfolgreich zu rekrutieren. Im schlimmsten Fall, bilanziert Klare, könne der Klimawandel zum Zusammenbruch von Regierungen und dem Kollaps ganzer Handelssysteme führen. Das Planungsamt der Bundeswehr untersuchte ebenfalls die "sicherheitspolitischen Implikationen des Klimawandels" und leitete eine zweistufige, indirekte Wirkungsweise auf Konfliktdynamiken ab.

Viele schwache Staaten - etwa die Demokratische Republik Kongo, Sudan oder die Sahelstaaten - müssen den Folgen des Klimawandels standhalten und zugleich mit innerstaatlichen Konflikte fertigwerden, die einerseits die Schwäche der politischen Institutionen widerspiegeln und andererseits genau dazu beitragen. Diese Kumulation an Stress führt zu Kriegen und Krisen - nicht der Klimawandel allein.

Die United States Agency for International Development leitet daraus ab, dass die Bewältigung von Klimarisiken zur Stabilität dieser Staaten beitragen könnte. Wer also die Folgen der globalen Erwärmung bekämpft, stärkt staatliche Strukturen. Findet die Staatengemeinschaft allerdings keine Antworten auf den Klimawandel, dann werden sich in Teilen der Welt junge und schnell wachsende Gesellschaften bilden, die angesichts von Gewalt und staatlichem Kontrollverlust keinerlei Perspektiven in ihrer Heimat haben.

© SZ vom 13.02.2020
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