Umfrage:Klima - ist da was?

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In Indonesiens Hauptstadt Jakarta rechnet man damit, dass die Zahl der Überschwemmungen (Bild vom Dezember 2021) durch den Klimawandel zunimmt. (Foto: Kevin Herbian/Pacific Press Agenc/imago images)

Aus welchen Motiven Menschen die Erderwärmung leugnen - eine Umfrage unter Wissenschaftlern gibt Aufschluss.

Von David Pfeifer, Bangkok

Wenn man sich bei etwas Unangenehmem ertappt fühlt - einfach leugnen. Diese bewährte Technik aus Kindertagen strahlt manchmal erstaunlich lange ins Erwachsenenleben hinein. Zum Beispiel beim Thema Klimawandel. Wieso sollte man gegen die Faktenlage behaupten, dass die Erde sich nicht erhitzt? Es wird ja über kurz oder lang für alle sehr ungemütlich, auch für die Leugner.

Die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) befragte nun Experten zu den Hauptgründen, warum Menschen ihrer Meinung nach den Klimawandel leugnen. "Unternehmen, die fossile Brennstoffe herstellen, finanzieren seit Langem Fehlinformationen über das Klima, die von konservativen Denkfabriken verbreitet werden", sagte der Soziologe Robert Brulle von der US-amerikanischen Brown University. Kapitalismus und Klimaschutz vertragen sich nicht so gut, klar.

Es sind aber durchaus auch Einzelpersonen, "die von der Empörungsökonomie im Internet profitieren und das derzeitige Geschäftsmodell der sozialen Medien ausnutzen, das es ihnen ermöglicht, Klimaleugnung und Klimadesinformation zu monetarisieren", erklärte Jennie King vom Institute for Strategic Dialogue in London. Wer sich als konträrer intellektueller Experte etablieren kann, gewinnt in sozialen Medien schnell an Bedeutung, weil deren Algorithmus immer die Kontroverse nach oben spült. Egal wie schwach sie inhaltlich sein mag.

Wie etwa die mehrfach getwitterte Behauptung des Ex-US-Präsidenten Donald Trump, Schneefall sei ein Beweis gegen die globale Erwärmung. Zumindest für die USA gilt: "Menschen, die konservativ wählen, sind mit größerer Wahrscheinlichkeit Klimaleugner", sagte John Cook, Forscher an der Monash University in Melbourne und Gründer der Klimaaufklärungsseite Skeptical Science.

Stephan Lewandowsky, Psychologieprofessor an der Universität Bristol, geht davon aus, dass auch Angst vor Verzicht dahinterstehe. "Menschen, die sich für unregulierte freie Märkte einsetzen, können die Wissenschaft nicht akzeptieren", denn die politische Folge des wissenschaftlichen Kenntnisstandes könnte konsequenter Klimaschutz sein. Was natürlich denen zuwiderläuft, deren Privilegien auf dem Verbrennen fossiler Brennstoffe beruhen.

Hinzu komme, dass Menschen glauben, was sie glauben wollen, und nach Beweisen suchen, die ihre Ansicht unterstützen. Und "es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen aus Angst in die Leugnung verfallen. Die Pandemie ist ein weiteres Paradebeispiel", so Lewandowsky. Ebenso wie Eitelkeit. "Mir fallen einzelne Fälle von Akademikern ein, die bestenfalls eine extrem mittelmäßige Karriere hatten, und dann kam der Klimawandel, und sie sagten: 'Oh, das ist ein Schwindel', und behaupteten, sie hätten eine gewisse Expertise. Sie wurden mit Medienanfragen überflutet. Diesen Leuten geht es um Aufmerksamkeit."

Die Befragung der AFP wiederum verbreitete sich besonders in der vom Klimawandel bereits heute unmittelbar betroffenen Weltregion Südostasien. The Star in Malaysia nahm sie auf, genauso wie die Straits Times aus Singapur und die Jakarta Post in Indonesien. Außer in Frankreich hat sie in Europa bislang wenig Aufmerksamkeit erregt. Warum wohl?

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