Klimakonferenz Dicke Luft in Kattowitz

  • Wie weit die Staaten auseinanderliegen, spiegelte sich am Wochenende vor allem im Streit über den jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC.
  • Das Wissenschaftler-Gremium hatte im Oktober in einem Bericht dringend empfohlen, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stabilisieren.
  • Am Dienstag soll Bundesumweltministerin Svenja Schulze vor der Konferenz darlegen, wie Deutschland sich den Klimaschutz in Zukunft vorstellt.
Von Michael Bauchmüller, Kattowitz

Zum Auftakt der entscheidenden Woche der Klimakonferenz wartet ein Berg offener Fragen auf die Minister aus aller Welt. Die Verhandlungen wurden am Samstagabend unterbrochen, ohne dass viele der technischen Fragen gelöst wurden. Sie werden nun in die zweite Woche der Konferenz im polnischen Kattowitz fortgeschleppt.

Wie weit die Staaten auseinanderliegen, spiegelte sich am Wochenende vor allem im Streit über den jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC. Das Wissenschaftler-Gremium hatte im Oktober in einem Bericht dringend empfohlen, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stabilisieren. Dies verlange "schnelle, weitreichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft". Der Bericht war von der Staatengemeinschaft bei der Pariser Klimakonferenz 2015 in Auftrag gegeben worden; vor allem Inselstaaten pochen auf eine Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels. Sie befürchten, andernfalls ihre Zukunft ans Meer zu verlieren.

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In Kattowitz allerdings konnten sich die Staaten nicht darauf einigen, den Bericht des IPCC zu "begrüßen". Saudi-Arabien, die USA und Russland wollten ihn lediglich "zur Kenntnis nehmen", die EU und Inselstaaten hielten erbittert dagegen. Wohl und wehe des Weltklimas entscheidet sich nicht an dieser Frage. Aber sie sagt viel über die Atmosphäre bei der Konferenz aus. Am Ende verständigten sich die Staaten darauf, die Formulierung ein andermal zu klären.

Von diesem Montag an werden gut 120 Minister erwartet, sie sollen die heikelsten Fragen lösen. Das betrifft vor allem das Regelwerk für das Pariser Abkommen und damit die Frage, wie eigentlich geprüft wird, ob die Staaten ihre Zusagen für den Klimaschutz auch in die Tat umsetzen. Das Abkommen von Paris sieht dafür nationale Klimaziele vor, die regelmäßig überprüft werden sollen.

Gemeinsam sollen die Anstrengungen der Staaten erreichen, dass der globale Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad Celsius, höchstens aber zwei Grad begrenzt wird. Allerdings haben sich eine Reihe von Staaten schon in der ersten Woche dafür ausgesprochen, diese Regeln nicht zu strikt zu fassen. Sie wollen keine genauen Zahlen für den Erfolg ihrer Bemühungen melden müssen. "Es gibt derzeit sehr gute und sehr schlechte Optionen", sagt Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch. "Was sich durchsetzt, hängt sehr von der Dynamik dieser Woche ab."

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wird Montagabend in Kattowitz erwartet. Am Dienstag wird sie vor der Konferenz darlegen müssen, wie Deutschland sich den Klimaschutz in Zukunft vorstellt. Schon Freitag hatte eine deutsche Verhandlerin einräumen müssen, dass das Klimaziel für 2020 nicht mehr zu erreichen ist. Umweltgruppen hatten Deutschland daraufhin den Negativpreis "Fossil of the day" verliehen. Man könne sich schlecht für den Preis bedanken, schrieb Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth auf Twitter. Aber er könne die Verleihung verstehen. "Wir werden wieder auf Kurs kommen", versprach er.

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