Klimavertrag von Paris:Diesmal verlieren die Globalisten - es gewinnen die Isolationisten

Aber Fakten interessieren im Weißen Haus nicht. Anders gesagt: Diejenigen, die für Klimaschützer ein offenes Ohr haben, sind jetzt die Verlierer. Oder, um es mit Trump zu sagen: "loser". Darunter sind diesmal Trumps Tochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner, die im Weißen Haus zu den Globalisten zählen. Also zu jenen, die einsehen, dass die USA nur im Verbund mit Partnern erfolgreich bleiben können.

Ivanka Trump und Jared Kushner arbeiten beide im Weißen Haus. Ivankas Rolle ist nicht klar definiert, ihr Mann Jared wird von den Medien schon als "Minister für Alles" verspottet, so viele Aufgaben hat er. Trump vertraut ihm offensichtlich. Doch diesmal hat das nichts genützt. Schwiegerpapa Donald wollte nicht hören. Enttäuscht dürften auch jene sein, die ihre Hoffnungen in Ivanka Trump als eine Art Korrektiv der Vernunft gesetzt haben. Wie ihr Mann bezweifelt sie den Klimawandel nicht. Doch auch ihr Einfluss hat diesmal nicht gereicht.

Zuletzt konnte ihn auch sein Außenminister Rex Tillerson nicht umstimmen. Der ehemalige Chef des Öl-Konzerns Exxon-Mobile weiß wie kaum ein anderer, dass Öl nicht die Zukunft ist. Weder er, noch Ivanka Trump oder ihr Mann Jared Kushner waren im Rosengarten, als Trump den Ausstieg verkündete.

Neuverhandlungen wird es nicht geben

Trump hat bisher nur zugestanden, dass er sich die Sache mit dem Ausstieg noch einmal überlegen wolle, wenn Verhandlungen zu einem besseren Deal für die USA führen könnten. Neben anderen wichtigen Staatschefs hat auch Kanzlerin Angela Merkel das sofort abgelehnt: Neuverhandlungen werde es aus keinen Fall geben.

Durchgesetzt haben sich die Isolationisten um Trumps Chefstrategen Steve Bannon. Sie sind die Gewinner dieses historischen Abschiedes aus einem Vertrag, dem sich nur zwei Staaten nicht angeschlossen haben: Syrien und - weil ihnen der Vertrag zu lasch war - Nicaragua.

Eine wichtige Rolle spielte neben Bannon auch Umweltminister Pruitt, der als hartnäckiger Leugner des Klimawandels bekannt ist. Als Justizminister von Oklahoma kämpfte er gegen alles, was nur den Anschein erweckte, etwas mit Klimaschutz zu tun zu haben. Er kämpfte gegen Grenzwerte für Luftverschmutzung in Nationalparks, in der Erdgasförderung, für Kohlekraftwerke. Er ließ Öl- und Gaskonzerne Beschwerdebriefe an die staatliche Umweltbehörde EPA vorformulieren und verschickte diese dann unter seinem Briefkopf. Als Anwalt verklagte er die EPA über ein Dutzend Mal. Wie praktisch, dass er jetzt selbst Chef der Behörde ist.

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