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Klimakonferenz in Kattowitz:Schummeleien im Klimaschutz werden schwerer

Künftig lässt sich genau überprüfen, wer nur redet, und wer handelt. Das könnte eine neue Ära im Klimaschutz einläuten.

Als der Hammer in Kattowitz gefallen ist, die Klimakonferenz endlich ein Ergebnis hat, eilen die Politiker vor die Tür. Draußen stehen die Kameras, in Hunderte Mikrofone wird der Erfolg verkündet. Auch EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete steht im Licht der Scheinwerfer, er sagt: "Und jetzt ist der Augenblick, das in Aktionen umzusetzen."

Wie recht er hat. Jede der mittlerweile 24 Klimakonferenzen war so ein Augenblick. Jedes Mal hatten sich die Staaten versammelt, um ein gemeinsames Problem anzugehen. Fast jedes Mal kamen sie dabei einen Schritt voran. Doch nie reichten die Aktionen danach, um das Problem tatsächlich zu beheben.

Die globalen Emissionen sind nicht gesunken, sondern gestiegen. Die Temperatur auch, und damit die Probleme. Jetzt könnte man wirklich mal mit dem Handeln richtig anfangen, da hat der Kommissar recht, so wie all die anderen Minister vor den Kameras. Viele stehen noch unter dem Eindruck der Gespräche, die sie bei der Konferenz geführt haben. Es lässt sich einfach mit mehr Dringlichkeit über Klimapolitik reden, wenn der Vertreter einer im Meer versinkenden Insel wie Nauru dabei sitzt.

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Von 2024 an muss jeder Staat genau darlegen, was er für den Klimaschutz tut: Die UN-Klimakonferenz hat ein Regelwerk für die Umsetzung des Pariser Abkommens verabschiedet. Es gilt grundsätzlich für alle - und das ist mehr, als man von diesem Gipfel erwarten konnte.   Analyse von Michael Bauchmüller

Daheim liegen die Dinge meist anders. Klimaschutz könnte ein Programm sein, ganze Volkswirtschaften zu modernisieren. Er führt heraus aus dem Zeitalter, in dem mit Hitze und Dampf Strom erzeugt wurde, in dem lärmende und stinkende Verbrenner Fahrzeuge betrieben. Er kann Wohnungen wohnlicher machen und Industriebetriebe effizienter. Doch wie jeder Wandel trifft er auf Widerstände, nicht selten gehören dazu legitime Sorgen.

"Der Augenblick, das in Aktionen umzusetzen" - das ist damit auch der, über diese Aktionen offen zu reden. Etwa darüber, wie sich Klimaschäden auch in Preise übersetzen lässt. Welche Folgen es hat, wenn fossile Energie teurer wird - und wie sich diese Folgen für jene lindern lassen, die wenig Geld haben. Was es für Lebensstil und Konsum bedeutet, wenn sie absehbar in die Klimakrise führen - und wie ein klimafreundliches Leben dennoch ein gutes Leben sein kann.

Jetzt ist der Augenblick da, eine neue Ära im Klimaschutz zu beginnen

Die Klimakonferenz von Kattowitz hat diese Debatten näher rücken lassen. Stärker als je zuvor ist ein neues Ziel in den Fokus der Welt getreten: die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Aus Sicht der Betroffenen des Klimawandels ist diese Grenze ein globaler Imperativ. Doch erreichen lässt es sich nur, wenn die Staaten rasch beginnen, "das in Aktionen umzusetzen".

Mit dem Regelwerk, das sich die Minister und Delegierten gegeben haben, werden Schummeleien im Klimaschutz schwerer. Künftig lässt sich genau überprüfen, wer im Klimaschutz nur redet, und wer handelt. Beides zusammen, ein höheres Ziel und strengere Kontrolle, könnten den Klimaschutz tatsächlich in eine neue Ära befördern - könnten. Wie der EU-Kommissar schon sagt: Der Augenblick ist da.

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