Klimaschutz 18 Staaten beschließen Ausstieg aus der Kohleenergie

Das Kohlekraftwerk Ferrybridge im Norden Englands

(Foto: Getty Images)
  • Großbritannien und Kanada setzen sich an die Spitze einer globalen Allianz für den Kohleausstieg.
  • Bislang beteiligen sich 18 Staaten sowie mehrere Städte und Bundesstaaten an der Initiative.
  • Das setzt Deutschland unter Druck. Bei den Jamaika-Sondierungen ist die Forderung nach der Abschaltung von Kohlekraftwerken eines der zentralen Streitthemen.

Großbritannien und Kanada haben bei der UN-Klimakonferenz in Bonn eine globale Allianz für den Kohleausstieg mit zahlreichen weiteren Partnern vorgestellt. Kohle sei der "schmutzigste fossile Energieträger", sagte die kanadische Umweltministerin Catherine McKenna. Der deutlich gefallene Preis erneuerbarer Energien mache einen Kohleausstieg ohne wirtschaftliche Nachteile möglich. "Der Markt hat sich bewegt, die Welt hat sich bewegt, die Kohle kommt nicht zurück", sagte McKenna.

Der sogenannten "Powering Past Coal Alliance" gehören neben Kanada und Großbritannien 17 weitere Staaten an, darunter Frankreich, Italien und die Niederlande, aber auch Fidschi und die Marshall-Inseln. Wenn man auch Bundesstaaten und Städte hinzuzählt, haben sich inzwischen sogar 25 Partner zusammengeschlossen. Bis zum nächsten UN-Klimagipfel Ende kommenden Jahres in Katowice will das Bündnis mindestens 50 Partner vereinen - vielleicht würden es aber auch "deutlich mehr", sagte die britische Energieministerin Claire Perry.

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Die britische Regierungsvertreterin sagte, der weltweite Kohleausstieg habe "unglaublichen Schwung" bekommen. Ihr Land habe den Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in den vergangenen fünf Jahren von 40 auf zwei Prozent zurückgefahren. Dabei habe Großbritannien "kein Wachstum geopfert". Großbritannien will die Kohlenutzung bis 2025 beenden, Kanada bis 2030.

In einer gemeinsamen Erklärung des Bündnisses hieß es, der Ausstieg aus der Kohleverstromung sei "einer der wichtigsten Schritte, die Regierungen ergreifen können, um dem Klimawandel zu begegnen" und das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erfüllen.

Jährlich sterben 800 000 Menschen an den Folgen der Kohleverbrennung

Derzeit betrage der Anteil der Kohle an der weltweiten Energiegewinnung fast 40 Prozent, erklärte das Bündnis. Um das Pariser Abkommen zu erfüllen, das eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, müssten die Länder der Europäischen Union und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bis spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen, der Rest der Welt bis spätestens 2050.

Die Verbrennung von Kohle zur Energiegewinnung schade dem Klima, gefährde aber auch Menschenleben durch die Verursachung von Atemwegserkrankungen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung des Bündnisses zum Kohleausstieg weiter. Einer neuen Studie zufolge würden jährlich weltweit mehr als 800 000 Menschen an Luftverschmutzung sterben, die von der Kohleverbrennung herrühren.

Das internationale Bündnis bringt Deutschland unter Druck. Umweltorganisationen und auch eine Reihe von deutschen Unternehmen fordern längst einen schnellen Kohleausstieg. Aber bei den derzeitigen Jamaika-Sondierungen ist die Forderung nach einem Ende der Kohleenergie hoch umstritten.

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