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Klimaproteste:Überfällig

Die Erderwärmung darf während der Pandemie nicht in Vergessenheit geraten. Denn sie schreitet voran.

Stell dir vor, es ist Friday for Future, und keiner geht hin. So war es in den vergangenen Wochen, schließlich gibt es keinen Unterricht, den Schüler schwänzen könnten, und Demonstrationen von mehr als 20 Menschen sind derzeit kaum möglich. Nun haben sich die Aktivisten zurückgemeldet, mit einem vor allem digitalen Happening. Und sie haben damit ein Thema auf die Agenda gebracht, das durch Corona in den Hintergrund gedrängt worden ist: die Klimakrise. Sie mache auch in Zeiten der Pandemie keine Pause, sagte eine der Aktivistinnen zutreffend. Der schon jetzt extrem trockene Frühling ist nur ein Beleg dafür.

Dabei könnten die Eindrücke aus der Corona-Zeit beim Nachdenken über den Klima- und Umweltschutz helfen. So gut wie nie zuvor lässt sich derzeit beobachten, wie das gewohnte Treiben des Menschen den Planeten beeinflusst. Kaum steht deren Leben still, erwacht das der Umwelt. Vor den Kanaren sind wieder Delfine zu sehen, in Venedig kann man bis auf den Grund des Wassers schauen, weltweit ist die Luftverschmutzung drastisch zurückgegangen. Und der Umgang mit der Pandemie ist noch aus einem anderen Grund lehrreich: Bislang scheitert der Umweltschutz häufig an den Interessen der Wirtschaft. Dass diese jedoch relativierbar sind, zeigt sich gerade.

Die Klimakrise ist natürlich nicht mit der Corona-Krise zu vergleichen. Sie wirkt weniger drängend. Weniger bedrohlich ist sie langfristig jedoch nicht. Deshalb wäre es gut, wenn ein paar der Erfahrungen mit Corona in die Zeit danach gerettet würden.

© SZ vom 25.04.2020

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