Klimapolitik Katastrophe für die Jackentasche

Ein schmaler Band liefert allen Hintergrund zur Erderwärmung und zum Kampf gegen die drohende globale Krise.

Von Michael Bauchmüller

Einer dieser Sätze steht auf Seite 52, ziemlich in der Mitte. Die Autoren haben gerade vorgerechnet, wie viel der Kampf gegen die Erderwärmung kosten würde, nämlich 0,06 Prozent an Wirtschaftswachstum. "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten", schreiben sie, "darum lohnt sich Klimaschutz." Noch Fragen?

Ottmar Edenhofer und Michael Jakob machen nicht viele Worte um die Katastrophe, entsprechend knapp ist der Titel ihres Buches: "Klimapolitik". Nie wurden die ganze Tragweite des Problems, die Ansätze zur Lösung, die ethischen Implikationen und physikalischen Zusammenhänge so komprimiert dargelegt wie auf diesen 128 Seiten. Das Taschenbuch bringt die Katastrophe aufs Format einer Jackentasche.

Das macht die Lektüre mitunter anspruchsvoll. Nicht jeder versteht auf Anhieb die Formel "p>C/(V-E)", auch wenn sie letztlich Einfaches beschreibt: Ist die Wahrscheinlichkeit einer teuren Katastrophe höher als die Kosten, ihr rechtzeitig zu begegnen, dann entscheiden sich die Mächtigen für Klimaschutz, zumindest die rationalen unter ihnen. Edenhofer ist einer der angesehensten Ökonomen auf dem Gebiet der Klimawissenschaft; da muss so ein kleiner Exkurs drin sein. Und so findet sich auch Edenhofers Lebensthema wieder, die Rolle von Preisen beim Abschied von (zu billigen) fossilen Energien. Fast zwangsläufig steuert das Buch auf diese Schlussfolgerung zu. "Die Weltwirtschaft benötigt einen CO₂-Preis, der die Knappheit des begrenzten Deponieraums der Atmosphäre widerspiegelt", heißt es im Buch unter der Überschrift: "Was wäre dann die Lösung?"

Aber diese Lösung kommt nicht aus dem luftleeren Raum, sie wurde mit viel Aufwand hergeleitet: Von den Wurzeln der zunehmenden Erderhitzung über die Schwierigkeit, ihrer mit den Mitteln der Diplomatie Herr zu werden. Von der globalen Abhängigkeit von Kohle und Öl bis zu der heiklen Frage, ob sich die Menschheit eigentlich noch Wachstum erlauben kann ("Man sollte nicht den Fehler begehen, im Namen des Klimaschutzes Wachstumsverzicht zu fordern."), von der Rolle der Wissenschaft über die Verhandlungstaktiken bis hin zum Klimavertrag von Paris. "Auch in Zukunft wird mit allen Mitteln der politischen Kunst über die Implikationen der wissenschaftlichen Erkenntnisse gefeilscht werden", schreiben die beiden Autoren am Ende. "Aber dem Zwang des besseren Arguments werden sich Regierungen auf Dauer nicht entziehen können."

Mit ihrem Büchlein haben sie diesem Argument einen guten Dienst erwiesen. Sie verzichten auf Appelle und erhobene Zeigefinger und nähern sich dem komplexen Problem in aller Nüchternheit. Die Botschaft wird dennoch klar: Es mag unzählige Hürden geben, ehe die Temperaturen zu steigen aufhören. Aber unüberwindlich sind sie nicht.