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Klimawandel:Deutschland, ein Hotspot

Klimaanalyse

Waldvernichtende Dürre: abgestorbene Fichten im Nationalpark Harz.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Hitze, Dürre, Fluten: Keine Region bleibt verschont, heißt es in der Risikoanalyse des Bundes. Höchste Zeit, sich auf die wachsende Bedrohung vorzubereiten.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Es wird sie nicht geben: die Region, die nichts vom Klimawandel spürt. An den Küsten wird es wohl nicht ganz so warm wie woanders, dafür kommt der Starkregen öfter. Die trockenste Region des Landes, der Osten, wird noch trockener. Die wärmste Region, entlang des Rheins, wird noch heißer. Und in einem breiten Streifen vom Bodensee bis nach Sachsen, quasi im ganzen Süden Deutschlands, werden die Temperaturen am stärksten steigen.

Die Folge sind mehr Hitzetage und mehr Trockenperioden. Dazu kommen "Hotspots", in denen sich verschiedene Probleme häufen; selten trifft der Begriff Hotspot eine Sache so auf den Punkt. An Klimarisiken, hervorgerufen durch die zunehmende Erwärmung, herrscht jedenfalls kein Mangel.

So ungefähr, nur etwas umständlicher, steht das auch in der jüngsten "Klimawirkungs- und Risikoanalyse", die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Montag in Berlin vorgestellt hat. Zum zweiten Mal haben sich alle 25 Bundesbehörden, die in irgendeiner Weise mit Folgen des Klimawandels zu schaffen haben, dafür zusammengesetzt; 2015 erschien der erste Bericht. Schon in diesen sechs Jahren hat sich die Einschätzung verändert. Es habe sich "bei knapp der Hälfte der Klimawirkungen und der Handlungsfelder das bewertete Risiko erhöht", heißt es nun. "Die Klimarisiken nehmen leider zu", fasst Schulze zusammen.

Zwischen den Berichten liegen zwei Hitzewellen und ein fortschreitender Temperaturanstieg in Deutschland. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes übersteigt die Temperatur um 1,6 Grad Celsius die von 1881. Auch die klimaschädlichen Emissionen haben zugenommen. "Das hat Folgen", sagt Tobias Fuchs, der Klima-Vorstand beim Wetterdienst.

Bäume pflanzen? Am besten gleich heute

So stuft der neue Risikobericht die Effekte für Landwirtschaft, Fischerei, für Wälder und Gewässer höher ein, aber auch die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. "Der mit Abstand wichtigste klimatische Einfluss für diesen Systembereich ist Hitze", heißt es im Bericht. "Die Klimarisikosituation ohne Anpassung scheint insgesamt ungünstig zu sein." So klingt die Klimakrise auf Behördendeutsch.

Auf diese Anpassung zielt die ganze Analyse: Sie soll bei der Vorsorge helfen. "Wir werden ganze Sektoren anders anschauen müssen", sagt Dirk Messner, Chef des Umweltbundesamtes. "Wir brauchen mehr Renaturierung, wir müssen anders bauen." Städte müssten in der Lage sein, große Regenmengen "wie ein Schwamm" aufzusaugen, gleichzeitig aber bei großer Hitze genug Kühle spenden. Infrastruktur müsse "sturmsicher" werden, mit hitzebeständigen, im besten Fall wasserdurchlässigen Straßen. "Böden entsiegeln, auch das ist eine Anpassungsmaßnahme", sagt Messner.

Wie viel von dieser Anpassung nötig ist, hängt von den Erfolgen beim Klimaschutz ab. Für die Abschätzung möglicher Risiken waren die Behörden von dem "pessimistischen" Szenario ausgegangen, dass die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 4,7 Grad Celsius steigen könnte. "Je mehr Klimaschutz wir schaffen, desto weniger Anpassung ist nötig", sagt Schulze.

Aber manche Folgeschäden seien schon jetzt unvermeidlich, und viele der nötigen Antworten bräuchten Zeit. Anders gesagt: Wer mit Bäumen ein gutes Klima in der Stadt erhalten will, sollte gleich heute schon welche pflanzen. Am besten eine hitzeresistente Art.

© SZ/skle
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