Klimagipfel:Zur Zukunft der deutschen Braunkohle verliert Merkel kein Wort

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Aus Berlin kommt am Wochenende nur eine Videobotschaft der Kanzlerin, es steckt für jeden etwas darin: Einerseits sei die Welt von Klimaschutz noch weit entfernt, sagt Merkel. "Und deshalb geht es darum, dass natürlich jedes Land seinen Beitrag erbringt, und die Dringlichkeit - ich glaube, wir merken das alle an den Naturkatastrophen - ist groß." Andererseits dürfe man mit nationalem Ehrgeiz auch nicht die Arbeitsplätze vertreiben, etwa von "Stahlwerken, Aluminiumwerken, Kupferhütten". Zur Zukunft der deutschen Braunkohle verliert sie kein Wort; also zu jenem Thema, das derzeit auch die Jamaika-Sondierer aufreibt. Der deutsche Beitrag zum weltweiten Klimaschutz ist dieser Tage bescheiden; sieht man von dem Anschauungsmaterial ab, das die Sondierer über den Umbau großer Industriegesellschaften bieten.

Bislang bleiben die Ankündigungen aus der "Bonn-Zone" noch das greifbarste Ergebnis der Konferenz, die "Bula-Zone" muss diese Woche nachziehen. Die Verhandler tauchen dafür tief ein in das Paris-Abkommen. Sie müssen austüfteln, wie genau es von 2020 an den Kampf gegen die Erderwärmung aufnehmen soll. Dazu zählt etwa, dass die Anstrengungen aller Staaten nach den gleichen Maßstäben gemessen werden - aber auch ein regelmäßiger Kassensturz: Er muss sicherstellen, dass am Ende auch wirklich Klimaschutz dabei herauskommt, also die Summe der nationalen Klimaziele auch reicht. Wenn nicht, müssten die Staaten nachlegen. Nur die Regeln dafür fehlen noch.

"Die Staaten müssen in der Verantwortung bleiben"

Weil nach wie vor nicht alle Länder gleichermaßen begeistert vom Klimaschutz sind, droht hier die erste Verwässerung des Vertragswerks. Zeitdruck gibt es noch keinen: Das Regelwerk muss erst 2018 stehen. Gegner allzu entschiedenen Klimaschutzes, ob aus Saudi-Arabien, den USA oder Russland, dürften also versuchen, möglichst viele Entscheidungen hinauszuzögern; andere Staaten werden dagegenhalten. "Da darf man sich auch nicht von den Allianzen blenden lassen", sagt Oxfam-Mann Kowalzig. "Die Staaten müssen in der Verantwortung bleiben, und dafür braucht es auch das Kleingedruckte."

Ob sie sich in der Verantwortung sehen, das dürfen Merkel und Macron der versammelten Weltöffentlichkeit diese Woche selbst erklären; beide werden zum "High level"-Segment des Gipfels erwartet, zur Entscheidungsrunde. Nicht nur die Umweltgruppen werden sehr genau zuhören.

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