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Klimagipfel Kopenhagen:Wie sich China dem Klimaschutz verweigert

China ist nach dem Klimagipfel in Kopenhagen stolz auf sich: Das Land mit den meisten Emissionen hat es geschafft, sich zu nichts zu verpflichten.

Desaster, Blamage, Katastrophe - so kommentieren die meisten europäischen Zeitungen den Ausgang des Klimagipfels in Kopenhagen. Die Einigung auf den Minimalkonsens, den die Staaten dann nicht mal unterschrieben, sondern nur "zur Kenntnis nahmen", wird hierzulande als Enttäuschung eingestuft.

Barack Obama Wen Jiabao USA China Klima Klimagipfel Kopenhagen, Reuters

US-Präsident Barack Obama hat lange mit Chinas Premierminister Wen Jiabao verhandelt - gebracht hat es wenig.

(Foto: Foto: Reuters)

In China liest sich das ganz anders: Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao habe "der Welt Hoffnung und Vertrauen im Kampf gegen den Klimawandel gebracht", so lobt sich das asiatische Land selbst. Der Gipfel habe "bedeutende und positive Früchte" getragen, bilanzierte der chinesische Außenminister Yang Jiechi.

Allerdings weniger für das Weltklima als für China selbst: Das Land hat es erfolgreich geschafft, dem Rest der Welt seine Bedingungen zu diktieren und sich auf so gut wie gar nichts festzulegen.

Die britische Regierung hat China daher nun für das Scheitern des Klimagipfels verantwortlich gemacht. China habe gegen die Einigung bei der Reduzierung von Treibhausgasen sein Veto eingelegt und damit ein Abkommen verhindert, schreibt der britische Umweltminister Ed Miliband in der Zeitung The Guardian.

Die Mehrheit der Länder sei davon überzeugt gewesen, dass ein verbindlicher Vertrag nötig sei, um die Erde vor dem Klimawandel zu schützen. "Manche führende Entwicklungsländer heißen das derzeit jedoch nicht gut."

Allein dass China auf dem Gipfel in Kopenhagen als Entwicklungsland auftrat, stößt Beobachtern sauer auf - nicht nur, weil die Chinesen inzwischen mehr CO2 in die Atmosphäre blasen als jedes andere Land. Denn sobald es um die Wirtschaft geht, will China ganz vorne mitspielen.

Immer öfter pocht Peking darauf, mit globalen Industrienationen auf Augenhöhe zu verhandeln und kann diesen Anspruch auch untermauern. Schließlich hat es einen Anteil von acht Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung, wird spätestens im kommenden Jahr Exportweltmeister sein und besitzt weltweit am meisten Währungsreserven. Doch in Kopenhagen versteckte sich China lieber in der 130 Staaten umfassenden Gruppe der Entwicklungsländer.

Auch US-Präsident Barack Obama konnte den Chinesen nur geringe Zugeständnisse abringen. Zwar versprach China, seinen CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 zu senken - jedoch nicht absolut, sondern "pro Einheit des Bruttoinlandsprodukt".

Wächst Chinas Wirtschaft also wie bisher, steigen die Emissionen, auch wenn auf dem Papier die Abmachungen eingehalten werden. Zudem weigerte sich Peking, seine Ergebnisse international überprüfen zu lassen und verwies auf seine staatliche Souveränität. Ohne internationale Kontrollen ist jedoch nicht einmal auf den "zur Kenntnis genommenen" Minimalkonsens Verlass.

© sueddeutsche.de/bavo/gba

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