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Klimaforschung:Der Professor ruft "Feuer"

11000 Wissenschaftler fordern in einem eindringlichen Appell die Politik zum Handeln gegen den drohenden Klimawandel auf. Dass sie damit ihre akademische Komfortzone verlassen, ist natürlich nicht unproblematisch - aber in diesem Fall sehr dringend geboten.

Zum Selbstverständnis seriöser Wissenschaftler gehört es, in politischen Fragen zurückhaltend zu bleiben. Man liefert die Daten, die Fakten, den Sachstand. Wie damit umzugehen ist, bleibt der Gesellschaft überlassen. Was also geht vor, wenn plötzlich mehr als 11 000 Wissenschaftler in einem alarmierenden Appell politisches Engagement fordern? Ganz einfach: Die Experten sind verzweifelt.

Das Handeln der Weltgemeinschaft steht in derart krassem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Klimaforschung, dass sich Wissenschaftler gezwungen sehen, ihre akademische Komfortzone zu verlassen. Sie sehen die Erde auf ein Zeitalter zusteuern, in dem die Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen bedroht sind. Doch die Weltgemeinschaft geht damit um, als sei es ein Luxusproblem, das sich mit ein paar politischen Kniffen lösen lässt, siehe deutsches Klimapaketchen.

Unproblematisch ist es natürlich nicht, wenn Wissenschaftler protestieren. Sie wirken plötzlich selbst wie Lobbyisten im üblichen Kräftemessen der Politik. Doch Nichtwissenschaftler sollten die Appelle der Fachleute richtig deuten. In einem brennenden Haus ist es schließlich auch angemessen, wenn der Professor aus dem Erdgeschoss "Feuer!" ruft. Vor allem dann, wenn er ein Experte für Brandschutz ist.