Kleiner Parteitag der Grünen:Warum die K-Frage eine Koalitionsfrage wird

Lesezeit: 3 min

Die Grünen lassen ihre Basis den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl bestimmen. Immerhin eine verbindliche Entscheidung. Die Freunde von der SPD wissen noch nicht, wie sie aus ihrem Kandidaten-Troika-Murks ohne größeren Schaden herauskommen. Doch das ist auch für die Grünen ein Problem.

Nico Fried

Bei den Grünen kommt manchmal manches anders und bleibt am Ende doch, wie es ist. Vor ein paar Jahren wurde gemutmaßt, dass die Partei ohne Joschka Fischer keine Zukunft habe. Gemessen daran geht es ihr heute glänzend. 2010 hieß es dann, dass die Grünen sogar einen Kanzlerkandidaten aufstellen müssten. Gemessen daran hat die Partei heute an Boden verloren. Nun brauchen die Grünen keinen Spitzenkandidaten, stellen aber wieder zwei auf. Wie gehabt.

Sonderparteitag der Grünen

Die Grünen brauchen keinen Spitzenkandidaten, stellen aber wieder zwei auf.

(Foto: dpa)

Weil diese Aufgabe attraktiv erscheint, wollen es viele werden. Deshalb wird es eine Urwahl geben, so hat es nun der Länderrat beschlossen. Man kann lange darüber diskutieren, ob das gut ist oder nicht. Wahrscheinlich ist es egal.

Immerhin: Gemessen daran, dass die Freunde von der SPD noch nicht wissen, wie sie aus ihrem Kandidaten-Troika-Murks ohne größeren Schaden herauskommen, haben die Grünen wenigstens eine verbindliche Entscheidung getroffen.

Für die Bundestagswahl wird diese Frage nicht entscheidend sein. Das grüne Spitzenpersonal nimmt sich nicht viel. Das Problem liegt beim potenziellen Koalitionspartner. Je länger die Sozialdemokraten politisch und personell nicht aus dem Quark kommen, desto mehr droht den Grünen eine Diskussion über ihre sehr enge rot-grüne Koalitionsaussage. Die Chancen der Grünen auf ein gutes Ergebnis stehen nicht schlecht. Die Chancen auf eine rot-grüne Mehrheit schon.

Das Gute an der Urwahl ist, dass sie jene zwei Vorleute bestimmen wird, die diese Diskussion wohl führen müssen. Eine Urwahl drängt sich als Instrument umso mehr auf, je weniger eine Persönlichkeit herausragt.

Wohin die Autorität reicht

Wie die Kandidatur von Parteichefin Claudia Roth zeigt, reicht die Autorität nur, um anderes zu verhindern, zum Beispiel eine alleinige Kandidatur von Jürgen Trittin. Dass es zu so einem Solo nun nicht gekommen ist, mag Trittin selbst am meisten erleichtern. Es erspart ihm die Beweisführung, dass er allein über eine grüne Kernklientel hinaus Sympathien und vielleicht auch ein paar Wählerstimmen erringen kann, wie es Fischer vermochte.

Ja doch, 2009 haben die Grünen mit Künast und Trittin sogar zweieinhalb Prozentpunkte mehr erreicht, als mit Fischer 2005. Vor sieben Jahren aber wurde eine rot-grüne Regierung abgewählt. 2009 hingegen konnten die kleinen Parteien in der Opposition gegen die große Koalition mobilisieren - was den Grünen im Vergleich zu FDP und Linken am wenigsten gelang.

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