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Kleine Atommächte:In Asien droht ein nuklearer Rüstungswettlauf

China wiederum kann an einer solchen Entwicklung überhaupt kein Interesse haben, genauso wenig wie an einem Krieg auf der koreanischen Halbinsel. Eine solche Perspektive würde zu einem nuklearen Rüstungswettlauf in dieser für die gesamte Weltwirtschaft zentralen Region führen, mit allen destabilisierenden Konsequenzen.

Eine solche Verbindung aus 20. Jahrhundert mit seinen Atomwaffenarsenalen und 19. Jahrhundert mit seinem Macht- und Prestigedenken wird sich als die hochgefährliche Mischung des frühen 21. Jahrhunderts erweisen, mit all seinen auf- und absteigenden Mächten und Strukturen, Institutionen und Allianzen im internationalen Staatensystem, die jetzt infrage gestellt werden.

Ein besonderes Augenmerk muss dabei den Vereinigten Staaten unter Präsident Trump gelten. Die dramatisch abnehmende innenpolitische Stabilität unter und in seiner Regierung muss Anlass zu großer Sorge sein. Die Probleme reichen von den Russland-Ermittlungen über die Gesundheitsreform Obamacare, die ungelösten Fragen des Staatshaushalts, die versprochene Steuerreform, den kaum finanzierbaren Bau einer Mauer nach Mexiko und die Verhandlungen zur Erneuerung des Freihandelsabkommens Nafta.

Dazu kommt der zweifelhafte Umgang mit der radikalen Rechten und eben die außenpolitische Krise um Nordkorea. Die emotionalen Ausbrüche des Präsidenten verschärfen die Probleme noch. Sollten die USA als Stabilitätsgarant ausfallen, so wird diese entscheidende Position international unbesetzt bleiben. Und gerade bei der Frage der Weiterverbreitung von Atomwaffen würde man dies sehr schnell schmerzlich spüren.

Zudem droht in diesem Herbst eine neue Gefahr in dem Konflikt zwischen den USA und Iran. Erneut geht es dabei um die Nuklearfrage. Die Vereinbarung zwischen den fünf Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (plus Deutschland und EU) und Iran droht zu scheitern, wenn der Kongress neue Sanktionen beschließt und sich Iran, als Antwort darauf, aus der Vereinbarung zurückzieht.

Angesichts der Krise um Nordkorea wäre es unverantwortlich, ohne Not eine neue Nuklearkrise, diesmal im Nahen Osten, loszutreten. Sie brächte eine erhebliche Kriegsgefahr mit sich. Auch die Rückkehr der USA zu einer Strategie des regime change gegenüber Teheran wäre äußerst kurzsichtig, da dies die radikalen Kräfte stärken und damit das genaue Gegenteil von dem erreichen würde, was angeblich das Ziel ist. Und das in einer Region, in der es an Krisen und Kriegen keineswegs mangelt. Hinzu käme, dass Russland, China und die Europäer an dem Deal festhalten würden und damit zum ersten Mal die Vereinigten Staaten und Europa in dieser Frage uneins wären.

Angesichts der neuen nuklearen Gefahren zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist das Gegenteil von "Feuer und Zorn" gefragt, nämlich ein kühler Kopf, hohe Rationalität und geduldige Diplomatie und nicht gefährliche Illusionen von Abrüstungskriegen und militärisch erzwungenen Regimewechseln. Sollte sich die letzte verbleibende Supermacht Amerika von diesen Tugenden verabschieden, dann hätte die Welt ein echtes Problem.

© SZ vom 25.08.2017/migh

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