Klaus Ernst zum Castro-Glückwunsch "Es ist ein Fehler passiert"

Dem kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro zum Geburtstag gratulieren? Ja, sagt der Linkenvorsitzende Klaus Ernst zur Süddeutschen Zeitung. Vom huldigenden Glückwunschschreiben seiner Partei distanziert er sich trotzdem - und verspricht, dass sich so etwas nicht wiederholen wird.

Die Gratulation seiner Partei zum 85. Geburtstag des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro findet Klaus Ernst grundsätzlich richtig. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert der Vorsitzende aber den Stil des Glückwunschschreibens: "Es ist doch schon durchgesickert, dass der Text nicht über unseren Schreibtisch gegangen ist und im Übrigen auch so nicht gegangen wäre", sagte er.

Linkenchef Klaus Ernst findet es richtig, dass seine Partei Fidel Castro zum Geburtstag gratuliert hat - Kritik übt er aber am konkreten Inhalt des Schreibens.

(Foto: dpa)

Ernst weist in dem Interview auch auf die Kritik seiner Partei an den Entwicklungen in Kuba nach der Machtübernahme Castros hin: "Ich war 2007 mit Oskar Lafontaine in Kuba. Es gab kein Gespräch, bei dem wir nicht auf Menschenrechte, Gewaltenteilung und Pressefreiheit hingewiesen haben", sagte er. Dennoch sei die Revolution zunächst einmal positiv gewesen.

Das Schreiben, das Castros "kampferfülltes Leben" würdigt, trage "digitale Unterschriften" von ihm und der anderen Vorsitzenden Gesine Lötzsch. "Wir tragen die politische Verantwortung." So etwas werde sich "nicht wiederholen".

Lötzsch hatte die Gratulation zu Wochenbeginn verteidigt und gesagt, solche Schreiben trügen in der Regel "nicht den Charakter grundsätzlicher Kritik". Sie gestand aber ein, dass die Grußadresse hätte "schöner formuliert" werden können.

An seine Partei appellierte Ernst, mehr Gemeinsamkeit zu zeigen. "Alle müssen sich jetzt am Riemen reißen", forderte er. Dies gelte auch für die Vorsitzenden.

Beim Gedenken für Maueropfer bleiben zwei von 130 Delegierten sitzen

Auch zum Thema Gedenken für die Toten an der Mauer äußerte sich Ernst: "Links sein heißt, dass man sich für die Opfer an der innerdeutschen Grenze erhebt", sagte er. Wenn auf einem Parteitag in Mecklenburg-Vorpommern beim Mauergedenken zwei von 130 Delegierten sitzenblieben, werde aber so getan, als sei das die ganze Partei.

Die Probleme der Linkspartei erklärte er mit Problemen im Vereinigungsprozess der 2007 aus der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) und aus der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) hervorgegangenen Linken.

"Wir haben in den vergangenen Jahren große Erfolge gehabt und immer nur nach vorne geschaut. Dabei haben wir uns zu wenig mit den verschiedenen Quellen beschäftigt, die sich in dieser Partei zusammengefunden haben. Wir haben uns zu wenig mit der Geschichte des jeweils anderen in unserer Partei beschäftigt", sagte er.

Er schlage vor, dass dies auf einem Kongress nachgeholt werde. Die Bundestagsfraktion der Linken trifft sich am Freitag und Samstag in Rostock zu einer Klausurtagung, an der auch der frühere Vorsitzende Oskar Lafontaine teilnimmt.

Das vollständige Interview mit Klaus Ernst lesen Sie in der Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.