Klaus Barbie und der BND "Agent furchtlos" mit solider Grundausbildung

Eine der besten Kräfte bei dieser Jagd war Klaus Barbie. CIC-Agent Robert S. Taylor machte 1947 die Bekanntschaft Barbies und geriet ins Schwärmen. Natürlich war bekannt, dass die französischen Behörden nach Barbie fahndeten, aber, wie Taylor am 27. Mai 1947 in einem Memorandum schrieb, "BARBIE impressed this Agent as an honest man, both intellectually and personally". Entscheidend war jedoch etwas anderes. Barbie erschien ihm "vollkommen furchtlos". Warum sich also nicht die bekannt solide Grundausbildung durch die Gestapo zunutze machen? Barbie sei "entschieden antikommunistisch", versichert Taylor seinen Vorgesetzten und liefert ihnen zugleich die denkbar beste Entlastung bei eventuellen Nachfragen von Zivilisten. Ein "Nazi-Idealist" sei der ehemalige Hauptsturmführer, "der sich und seine Überzeugungen durch die Nazi-Machthaber verraten glaubt".

Dieser ehrliche Idealist hatte spätestens 1947 Kontakt zur "Organisation Gehlen", aus der 1956 der BND wurde. Zwar musste er als angeblicher "Führer der SS-Widerstandsaktion" die Festnahme fürchten, zwar wurde er in Frankreich in Abwesenheit zum Tod verurteilt, aber den Amerikanern wie den Gehlen-Leuten war er nach seinem Einsatz im Kampf gegen den Kommunismus doch so lieb und teuer, dass sie ihn mit Geld und einem neuen Namen ausstaffierten und nach Bolivien ins Exil verschickten. Ende der fünfziger Jahre sammelte die deutsche Justiz Material gegen ihn, betrieb die Sache aber nur unentschlossen Die Tatsache, dass Barbie die Kinder verhaftet und deportiert habe, hieß es in einem juristischen Gutachten, beweise noch lange nicht, dass er gewusst habe, welches Schicksal ihnen bevorstand.

Seine alten Betreuer vergaßen ihn nicht. Der Kriegsverbrecher hatte sich mit Mühe in Bolivien eine halbwegs bürgerliche Existenz aufgebaut. Er betrieb ein Sägewerk und herrschte nun statt über verängstigte jüdische Kinder über Indios, die er für sich arbeiten ließ. Der Vietnamkrieg brachte ihn ins internationale Geschäft, und auch da waren Kontakte in die alte Heimat nützlich. Wegen der großen Zahl der Verwundeten stieg weltweit der Bedarf an Chinin, mit dem Barbie die Firma Boehringer in Ingelheim versorgen konnte. Mit einem ordentlichen Pass bereiste er die Welt und kam gelegentlich auch nach Hamburg, wo eine seiner Firmen über eine Zweigniederlassung verfügte.

Barbie hatte sich da längst in den Geschäftsmann Klaus Altmann verwandelt, der als "Marine-Ingenieur" auftrat und im landumschlossenen Bolivien die Transmarítima Boliviana betrieb, deren wesentlicher Zweck der Import von Waffen und Panzern aus Österreich und Deutschland bestand. Off-Shore-Geschäfte, an denen selbstverständlich der jeweilige Diktator großzügig beteiligt wurde, verschafften ihm sogar einen gewissen Wohlstand. Als nach dem Sechs-Tage-Krieg ein Waffenembargo gegen Israel verhängt wurde, fand Barbie nichts dabei, die Juden, die er einst so erbittert bekämpft hatte, mit dem begehrten Kriegsmaterial zu beliefern.

Tipps für die Jagd auf Che Guevara

Von seinen alten Leidenschaften musste er deshalb nicht lassen. In Bolivien gab es schließlich ebenfalls Oppositionelle zu bekämpfen, und als Verhörspezialist konnte Barbie auf einschlägige Erfahrungen zurückgreifen. 1966 pflog Altmann-Barbie nicht nur Kontakt zu BND-Leuten, sondern auch zu seinen amerikanischen Beschützern. Die hatten die gute alte Zeit nicht vergessen und suchten Barbies Rat, als ein Widerständler ganz neuen Typs in Bolivien auftauchte. Che Guevara, der 1959 zusammen mit Fidel Castro Kuba von dem durch die USA gestützten Diktator Batista befreit hatte, wollte mit einem Häuflein von gut vierzig Kämpfern die Revolution auch nach Bolivien tragen. Im Oktober 1967 wurde er von der Armee zur Strecke gebracht. Kai Hermann, der als Stern-Reporter Barbie noch im Kreise seiner Bewacher und Folterkameraden erlebte, ist sich sicher, dass Barbie den amerikanischen Ausbildern der Eingreiftruppe mit guten Ratschlägen behilflich war.

1987, viereinhalb Jahre nach seiner Auslieferung aus Bolivien, wurde Barbie an einem Schauplatz seiner Verbrechen, in Lyon, vor Gericht gestellt. Ungerührt nahm er das Urteil "Lebenslänglich" entgegen. "Ich habe den Widerstand bekämpft", erklärte der dann 73-jährige intelligente Folter-Experte. "Das war der Krieg."