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Kinderbetreuung:Wie Kitas bei der Integration helfen

Kita-Platz für Flüchtlingskinder in Thüringen

Während hierzulande rund 90 Prozent aller Dreijährigen einen Kindergarten besuchen, sind es nur knapp 60 Prozent der Dreijährigen aus Flüchtlingsfamilien.

(Foto: Christian Charisius/dpa)
  • Eine Studie zeigt: Wenn Kinder aus geflüchteten Familien in die Kita gehen, sind auch ihre Eltern besser integriert.
  • Vor allem die Mütter profitieren, etwa bei den Deutschkenntnissen.
  • Noch aber gehen diese Kinder seltener in die Kita als Gleichaltrige ohne Fluchthintergrund.

Eine neue Studie zeigt, dass Kindergärten nicht nur eine Wirkung auf die Kinder haben, die dorthin gehen - sondern auch auf deren Eltern. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben untersucht, wie es sich auf die Integration von geflüchteten Familien auswirkt, wenn deren Kinder hierzulande eine Kindertagesstätte besuchen. Dass die Antwort "positiv" lautet, ist zwar nicht wirklich überraschend. Die Deutlichkeit des positiven Effekts aber, vor allem auf die Mütter, ist durchaus interessant.

Bei geflüchteten Müttern mit Kita-Kindern nämlich liegt der sogenannte Integrationsindex 42 Prozent über dem von Müttern, deren Kinder nicht in den Kindergarten gehen. Bei den Eltern insgesamt sind es 24 Prozent. "Die Eltern dieser Kinder kommen über den Kita-Besuch mit anderen Eltern und Kindern und damit auch der deutschen Gesellschaft in Kontakt", schreiben die Wissenschaftler.

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Die Studie, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird und der SZ vorab vorlag, macht die Integration von Flüchtlingen unter anderem an ihren Deutschkenntnissen und ihrer Arbeitsmarktorientierung fest, aber auch an der Tatsache, wie sehr sie ihre Heimat vermissen. Gefragt wurde zudem nach der Zahl der deutschen Bekannten, und ob sich die Familien in der deutschen Gesellschaft ausgeschlossen oder sozial isoliert fühlen. In all diesen Punkten schneiden geflüchtete Eltern mit Kitakindern besser ab als solche, deren Kinder nicht in den Kindergarten gehen.

Kitas machen es Müttern erst möglich, selbst Sprach- oder Integrationskurse zu besuchen

In zwei Wellen, 2016 und 2017, wurden 5859 Geflüchtete befragt; die Studie kann Aussagen treffen über Personen, die zwischen 2013 bis 2016 nach Deutschland kamen. Grundsätzlich, so das Ergebnis, seien Männer besser integriert als Frauen. Auf die Integration der Mütter hat der Kitabesuch der Kinder auch deshalb eine so starke Wirkung, weil diese oft erst durch diese Form der Kinderbetreuung die Möglichkeit haben, einen Sprach- oder Integrationskurs zu besuchen.

Noch aber gehen Flüchtlingskinder seltener in den Kindergarten als Kinder ohne Fluchthintergrund: Während insgesamt rund 90 Prozent aller Dreijährigen in Deutschland einen Kindergarten besuchen, sind es nur knapp 60 Prozent der Dreijährigen aus Flüchtlingsfamilien. Bei den Zweijährigen sind es insgesamt im Westen 49 und im Osten 79 Prozent, aus Flüchtlingsfamilien dagegen nur 24 Prozent. "Kinder Geflüchteter sollten möglichst frühzeitig einen Platz in einer qualitativ guten Kindertagesbetreuung bekommen können", schreiben die Wissenschaftler. Kindertageseinrichtungen könnten dann "eine doppelte Integrationsrendite erwirtschaften" - mit Blick auf die Kinder und deren Eltern.

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