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Familienpolitik:342 000 Kita-Plätze fehlen in Deutschland

Kinder spielen in einer Kita

Noch immer gibt es in Deutschland zu wenige Betreuungsplätze.

(Foto: dpa)

Immer mehr Eltern wünschen sich immer früher Betreuung für ihre Kinder. Trotz Kita-Ausbaus steigt die Zahl fehlender Plätze. Die größte Lücke klafft im Saarland.

Trotz Milliardeninvestitionen in den Kita-Ausbau steigt in Deutschland die Zahl fehlender Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren. Das geht aus Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor, wie die Welt am Sonntag berichtet. Demnach fehlten zum Stichtag 1. März rund 342 000 öffentlich geförderte Betreuungsplätze in Kindertagesstätten und bei Tagespflegepersonen für unter Dreijährige. Die Betreuungslücke hat damit seit 2015 um mehr als 127 000 Plätze zugenommen. Bezogen auf alle Kinder unter drei Jahren gab es laut IW für jedes siebte von ihnen (14,4 Prozent) keinen Platz. Im Jahr 2015 waren es 10,2 Prozent.

Im Bundesfamilienministerium von Franziska Giffey (SPD) nimmt man der Zeitung zufolge die Entwicklung durchaus wahr, verweist jedoch auch auf den Aufbau von 135 000 Plätzen in der Kinderbetreuung seit 2015. "Es stimmt aber, dass weiterhin Plätze fehlen und auch, dass die Differenz zwischen Betreuungsbedarf und Betreuungsquote zwischen 2015 und 2020 gestiegen ist", sagte eine Sprecherin.

Als Grund nennt Giffeys Ministerium, dass "der von den Eltern geäußerte Bedarf über die Jahre hinweg ebenfalls gestiegen ist" - und zwar um 6,2 Prozentpunkte auf 49,4 Prozent im Jahr 2019. Das entspricht rund 1,17 Millionen benötigten Plätzen für unter Dreijährige, so die IW-Rechnung. Im März besuchten aber dem Statistischen Bundesamt zufolge nur 829 200 Kinder in diesem Alter eine Tagesstätte oder eine öffentlich geförderte Tagespflege, die Betreuungsquote betrug 35 Prozent. "Immer mehr Eltern wünschen sich immer früher einen Betreuungsplatz für ihr Kind", hieß es im Familienministerium. Gleichzeitig seien auch die Kinderzahlen in der Bevölkerung seit Jahren angestiegen.

In den Bundesländern ist die Entwicklung der IW-Berechnung zufolge zum Teil sehr unterschiedlich. Das Saarland sei negativer Spitzenreiter. Dort fehle für 19,8 Prozent der Kinder unter drei Jahren ein öffentlich geförderter Betreuungsplatz. Es folgen Bremen mit 19,1 Prozent und Nordrhein-Westfalen mit 18,9 Prozent.

© SZ vom 12.10.2020/leja
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