Kirche Opfer müssen beteiligt werden

Die katholischen Bistümer wollen sich verbindliche Regeln geben, wie der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute besser aufgearbeitet und aufgeklärt werden kann.

Von Matthias Drobinski

Bis zum Herbst soll es verbindliche Regeln geben, wie die katholische Kirche in Deutschland den Skandal um die sexuelle Gewalt durch Priester und Ordensleute gegen Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene aufarbeitet. Darauf haben sich Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs, und der Trierer Bischof Stefan Ackermann, der Beauftragte der Bischofskonferenz, bei einem Treffen in Berlin geeinigt. So sollen für die 27 katholischen Bistümer einheitliche Standards formuliert werden, wie Betroffene beteiligt werden, und wie der Zugang zu Archiven und Akten geregelt ist. Im Herbst, nachdem eine Studie gezeigt hatte, dass es für die Gewalt und ihre Vertuschung in der Kirche strukturelle Ursachen gibt, hatten die Bischofskonferenz und Rörig eine enge Zusammenarbeit bei der weiteren Aufklärung der Verbrechen vereinbart.

Am Mittwoch teilte das Bistum Hildesheim mit, dass einer der Haupttäter der Übergriffe im Berliner Canisius-Kolleg, deren Aufdeckung 2010 den bundesweiten Skandal offenbar werden ließ, aus dem Klerikerstand entlassen wird. Der ehemalige Jesuit soll sich an mehreren Hundert Kindern und Jugendlichen vergangen haben. Strafrechtlich sind seine Taten verjährt. Er darf keine Ämter mehr ausüben und nicht mehr als Priester auftreten, seine Pension wird auf Grundsicherungsniveau gekürzt. Der Pater war, als Vorwürfe gegen ihn laut wurden, nach Hildesheim versetzt worden, wo er dann weitere Taten verübte. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sagte, der Fall sei "ein mehr als abschreckendes Beispiel dafür, wie es im Umgang der Kirche mit sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch niemals hätte laufen dürfen". Inzwischen hole sich das Bistum professionelle Hilfe von außen.