Süddeutsche Zeitung

Judenfeindlichkeit:Wirbel um "Kippa"-Äußerung des Antisemitismus-Beauftragten

  • Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte in einem Interview, er könne Juden "nicht empfehlen, die Kippa jederzeit überall in Deutschland zu tragen."
  • Der bayerische Innenminister Herrmann widerspricht. Jeder solle seine Kippa tragen, wann und wo er möchte.
  • Der Publizist Michel Friedman nennt die Aussage Kleins einen "Offenbarungseid des Staates".

Der Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, warnt vor zunehmender Judenfeindlichkeit in Deutschland. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe sagte Klein unter anderem, er könne Juden derzeit "nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen." Er bedaure diese Entwicklung. Früher habe er dazu noch eine andere Meinung gehabt. Als Grund nannte Klein eine "zunehmende gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung", die einen fatalen Nährboden für Antisemitismus darstelle.

Für Michel Friedman ist die Aussage des Beauftragten ein Skandal. Artikel 4 des Grundgesetzes garantiere die Religionsfreiheit. Doch anscheinend versage der Staat dabei, dies allen jüdischen Bürgern im Alltag zu ermöglichen, sagte Friedman der dpa. Wenn ein Beauftragter der Bundesregierung offiziell der jüdischen Gemeinschaft mitteile, "ihr seid nicht überall in Deutschland vor Judenhass und Gewalt sicher", dann sei das "ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat und die politische Realität in Deutschland."

Friedman: "Offenbarungseid des Staates"

Der bayerische Innenminister Herrmann ermutigt Juden in Deutschland trotz der Aussagen Kleins dazu, die religiöse Kopfbedeckung zu tragen, wann und wo sie wollten. "Wenn wir vor dem Judenhass einknicken, überlassen wir rechtem Gedankengut das Feld", sagte der Minister.

Eine Studie der Universität Tel Aviv, die Anfang Mai veröffentlicht wurde, hatte weltweit einen deutlichen Anstieg antisemitischer Straftaten festgestellt. Mit 387 Fällen sei im vergangenen Jahr die Zahl gewaltsamer antisemitischer Vorfälle im Vergleich zu 2017 (342) um 13 Prozent gestiegen, hieß es in dem Bericht.

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