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Kindstötungen in Sachsen und Schleswig-Holstein:Merkel fordert "Kultur des Hinsehens"

Die toten Kinder von Darry und Plauen haben in Deutschland einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: Politiker und Verbände fordern einen besseren Schutz von Kindern. Auch die Kanzlerin hat sich in die Diskussion eingeschaltet.

Nach den Kindstötungen von Darry und Plauen diskutieren Politiker und Experten verstärkt darüber, wie Kinder künftig besser vor Verwahrlosung und Gewalt in der Familie geschützt werden können. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine "Kultur des Hinsehens".

Hinsehen: Angela Merkel

(Foto: Foto: Reuters)

Die Kanzlerin erklärte, es müsse gemeinsames Ziel sein, "dass Kinder als die Schwächsten in unserer Gesellschaft eine gesicherte Zukunft haben". Zwar seien nun die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen gefordert, um Kinder in Not besser zu schützen. Das genüge aber nicht. "Kinder in Not gehen uns alle an", mahnte die Kanzlerin.

Auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte mehr Wachsamkeit in der Nachbarschaft und verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen für Kinder. "Die Erfahrungen in einzelnen Bundesländern zeigen, dass auf diese Weise unbürokratisch nachgehakt wird", sagte die CDU-Politikerin der Süddeutschen Zeitung.

Der Vorsitzender der Kinderhilfe Direkt, Georg Ehrmann, kritisierte unterdessen die Kinder- und Jugendpolitik des Staates: "Das staatliche Wächteramt wird zu wenig wahrgenommen", sagte er im ZDF. Der Fall Darry sei ein Zeichen, dass die Strukturkrise der Kinder- und Jugendhilfe nicht beendet sei.

Zu wenige Sachbearbeiter müssten sich um zu viele verwahrloste Kinder kümmern, denen man zudem mit den falschen pädagogischen Rezepten begegne. Es werde zu oft der Konsens mit den Eltern gesucht, statt dessen sollten die Behörden "genauer hinschauen".

Ehrmann forderte einen nationalen Aktionsplan, um bundesweit einheitlich das Problem der steigenden Zahl verwahrloster Kinder zu lösen. Der Bundesregierung sei Klimaschutz jedoch wichtiger als Kinderschutz.